von BK-Mark | 22.04.2016 | eingestellt unter: Frostgrave, Hobbykeller

Hobbykeller: Frostgrave-Expeditionstagebuch Teil 1

Passend zu unserer RPC-Frostgrave-Platte, werkelt die BK-Redaktion an eigenen Magiern samt Gefolge. Im Folgenden stelle ich Euch mein Projekt vor.

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Ziel dieser kleinen Serie ist es, Euch die Herangehensweise an ein Bemalprojekt zu zeigen – insbesondere, wenn dafür wenig Zeit vorhanden ist. Teil 1 behandelt Auswahl der Miniaturen, Themenwahl und Farbkonzept. In den darauffolgenden Teilen zeige ich Euch die Bemalung meiner Frostgrave-Recken.

Aus alt mach neu

Als der Gedanke kam, dass wir verschiedene Frostgrave-Expeditionen für die Roleplay Convention zusammenstellen, war ich schnell interessiert. Wie der eine oder andere vielleicht weiß, bietet Ospreys Regelwerk Spielern größtmögliche Freiheit bei der Miniaturenwahl. Natürlich gibt es die ausgezeichneten offiziellen Minis von North Star Military Figures. Doch als Tabletop-Veteran mit mittlerweile beinahe 20 Jahren im Hobby, war ich mir sicher, dass ich die eine oder andere passende Figur in meiner Sammlung haben sollte.

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Nach etwas Stöbern im Miniaturenfundus fiel mir bereits mein Magier in die Hände: die Games Day-Miniatur 2010, ein Chaos-Zauberer. Nur Minuten später gesellte sich eine weitere Sammlerfigur hinzu – die Games Day-Mini von 2009, ein erhabener Chaos Champion, sollte künftig als Ritter in meinen zunehmend dämonischen Reihen die Axt schwingen.

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Dann: ein Geistesblitz! Seit Jahren fristete eine Dunkelelfenzauberin von Freebooter ein metallisches Dasein auf meinem Schreibtisch. Damit war auch die Wahl des Lehrlings entschieden. Ich stöberte weiter, immerhin hatte ich doch in den vergangenen Jahren noch mehr Miniaturen angesammelt, die ich aufgrund ihres Looks gekauft hatte, ohne jemals eine Verwendung in meinen Armeen für sie zu finden. Und siehe da: ein Captain des Imperiums mit blutverschmierter Klinge machte die Aufwartung.

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Schön und gut – doch was ist mit dem gemeinen Fußvolk, dass die billigen Ränge einer Expedition nach Felstad ausschmückt? Zu Mordheim-Zeiten hatte ich eine der Freischärler des Imperiums-Boxen von Games Workshop für meine Hexenjäger angeschafft. Diese, gepaart mit Bits der GW-Flagellanten, bildeten die Basis für Schläger, Diebe und Bogenschützen.

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Die Freischärler brachten lediglich ein Problem mit sich – zu leichte Kleidung für eine Reise in eine gefrorene Stadtruine. Die nackten Füße und Unterschenkel der Recken verwandelte ich mit etwas Greenstuff in schwere Stiefel, ein weiteres Paar erhielt zusätzlichen Fellbesatz.

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Bunt gemischt oder roter Faden?

Für viele meiner Armeen und Projekte lege ich gern ein Thema im Vorfeld fest. Das beinhaltet eingehende Recherchen, bevor ich überhaupt das erste Mal zum Pinsel greife. Gern schaue ich mir zunächst andere Projekte zur gewählten Armee an, der Klassiker hierbei ist sicherlich CoolMiniorNot. Was machen andere mit ihren Minis? Was gefällt mir daran, was würde ich anders machen? Gibt es bestimmte Artworks, die mir in der Vergangenheit gefallen haben und sich darauf anwenden lassen? Plattformen wie DeviantArt sind dafür eine wahre Schatztruhe der Inspiration. Wichtig dafür ist auch ein weiterer Punkt – die Miniaturen selbst.

Denn der eine oder andere mag es kennen: Ein roter Faden, der sich auch optisch durch eine Armee zieht, sorgt für ein stimmiges Bild auf dem Spieltisch. Dabei kann es sich um grundlegende Elemente wie ein einheitliches Basing handeln, aber ebenso um eine feste Farbpalette der Miniaturen. Wichtig ist dabei eins: Warum eint Element XY eure Armee? Als ich auf die Auswahl meiner Miniaturen schaute, machten die beiden Games Day-Minis und die Dunkelelfin klar: Die Expedition hat einen eindeutig düsteren Grundton. Hörner, Tentakel und Bondage-Elemente sind von der Tonalität recht eindeutig. Schnell hatte ich mir etwas Fluff überlegt – der Dämonenbeschwörer, im Dienste dunkler Götter, der mit seinem hartgesottenen Oberschläger und der düsteren Verführerin nach den finstersten Geheimnissen Frostgraves trachtet.

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(Bilder von Mike Mignolas Hellboy für Dark Horse Comics)

In meinem Kopf fügte sich ein Bild zusammen – gerade die oben genannte Mischung aus Tentakeln, alten Göttern und Hörnern brachte mich auf eine Idee. Cthulhu, Hellboy und das Computerspiel „Darkest Dungeon“ beziehungsweise die Zeichnungen von Chris Bourassa hierzu kamen mir in den Sinn. Alle drei verbindet das Grundkonzept düsterer Götter oder der großen Alten. Hellboy und Darkest Dungeon haben zudem einen sehr prägnanten grafischen Stil – viel Schatten, starke Kontrasttöne aus Rot, Braun und Blau. Das war es! Auch mein Dreigestirn aus Magier, Lehrling und Ritter ließ mich an Mike Mignolas Comic denken: der finstere Rasputin und sein Gefolge aus Nazi-Geliebter Ilsa und unsterblichem Schergen Kroenen. Doch wie sollte eben diese Tonalität auf die recht neutralen Schergen übertragen werden?

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(Bilder von Chris Bourassa für Darkest Dungeon)

Wie fröhlich darf’s denn sein?

Der erwähnte grafische Stil war für die Tonalität das A und O. Mit einem Blick auf mein Farbregal entschied ich mich für eine grundlegende Farbpalette aus den folgenden Tönen: GW Abaddon Black, P3 Coal Black, P3 Greatcoat Grey, GW Mechanicum Grey, P3 Hammerfall Khaki, P3 Bloodstone, P3 Bloodtracker Brown, GW Dryad Bark, P3 Exile Blue. Außer den rostroten Tönen handelte es sich vorwiegend um sehr gedämpfte Farben mit einer tendenziell kühlen Ausrichtung.

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Inwiefern die Farbwahl funktioniert, teste ich an den oben gezeigten vier Miniaturen – kommt das erhoffte Feeling rüber? Allgemein lege ich nicht für jedes Projekt eine so enge Palette zu Beginn fest. Manche meiner Miniaturen folgen den Vorgaben des Herstellers, andere wiederum ergeben sich organisch, je nach Lust und Laune. Doch diesmal gibt es eine feste und nicht mehr weit entfernte Deadline in Form der RPC. In der Vergangenheit habe ich bereits festgestellt, dass eine begrenzte Palette den Zeitaufwand eines Malprojekts durchaus begrenzen kann. Je enger Ihr diese fasst, desto effizienter könnt Ihr mit den vorgegebenen Tönen arbeiten. Natürlich gibt es Nuancen und verschiedene Schattierungen des Grundtons, die für ein Grundmaß farblicher Varianz sorgen.

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Wie das Ganze dann in Natura aussehen wird? Das zeige ich Euch in den kommenden Wochen in Teil 2 – da bringe ich dann Farben auf die ersten vier Minis!

BK-Mark

Passionierter Maler und Hobby-Veteran aus den bunten 90ern. Neben 40K, der ersten großen Liebe, heutzutage Infinity-begeistert und Teilzeit X-Wing-Pilot, der die Hobby-Aspekte oftmals dem Spielen vorzieht.

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Kommentare

  • Geile Idee, Junge! Ich liebe auch Mignola, also lass mal sehen, was Du aus deine geilen Minis zauberst!

    • Danke, danke! Den Mignola-Style auf Minis zu übertragen ist unfassbar schwierig. Das Thema lässt sich vielleicht dennoch nutzen – wichtig war mir eher die sehr starke Farbpalette, die Dave Stewart für viele der Hellboy- und B.P.R.D.-Titel verwendet. Schaun ‚mer mal. 🙂

      • Ja, das möcht ich echt sehen, Junge. B.P.R.D. ist so klasse, das lese ich mindestens einmal im Jahr von neuem.

        ist natürlich auch ne hohe Messlatte, sich mit solche Kunst zu vergleichen, aber ich bin sehr gespannt trotzdem auf Deine Bemalung.

  • Sauber! Du hast sehr schön beschrieben, was auch mich an Frostgrave und generischen TTs begeistert,…Reste essen! Es gibt so wahnsinnig schöne Miniaturen, die entweder so schlechte Systeme haben und/oder nie gespielt werden, dass ich mich freu, wenn sie hier wieder ausgegraben werden.

    • Freut mich, dass es Dir da auch so geht. Natürlich gibt es auch Minis, die ich nur für Vitrinenzwecke erstanden habe – aber die Schmuckstücke hier passen einfach zu gut ins Frostgrave-Konzept.

  • Ich freue mich schon auf die bemalten Exemplare in Zukunft 🙂 Du bist ja schließlich ein guter Maler. Ich hoffe, das motiviert mich dann auch, selbst ein bisschen was altes verstaubtes hervorzuholen… ich denke da an ein paar Kossars, die im Schlafe der Sprühgrundierten im Lager liegen…

    • Danke für die Vorschußlorbeeren. :)Die Zukunft ist aber schon recht nah – die Serie erhält jede Woche eine Fortsetzung bis zur RPC. Das heißt im Klartext: Die nächsten 6 Wochen zähle ich die RPC mit je einem Auszug des Expeditionstagebuchs an.

  • Voll gut – genau solche TT-Projekte interessieren mich:

    Einerseits schön, dass du dem Konzeptionsteil, also den Auf- und Ausbau einer Grundidee, hier so viel Raum gibst. MMn ist das ein sehr sinnvoller, wichtiger und interessanter Schritt – oder kann es zumindest sein -, dem aber offenbar oft nur wenig Beachtung zukommen gelassen wird (Natürlich lässt sich nicht alles am Reißbrett vorbestimmen und sollte es auch nicht – außer als besonderen konzeptuellen Ansatz -, ist doch zu wünschen, dass die Formfindung (nicht bloß physisch) auch organisch beim Schaffen selbst stattfindet – das ist ja oft auch das großartige Erleben im Schaffensprozess.)

    Andererseits finde ich es großartig, dass du hier Malstile als Vorlage wählst, die zu den etablierten und vorherrschenden Richtungen in der Miniaturenmalerei kaum konträrer sein könnten. …mal ganz abgesehen davon, dass der Mignola-/Fegredo-Look mir persönlich extrem gefällt. Das auf 3d-Figuren anzuwenden, die nicht in einem solchen Stil sondern auf „realistisch“ (in Ermangelung passenderer Begriffe) getrimmt sind, dürfte besonders interessant werden. Wobei ich vermute, dass du dich von den Stilen eher inspirieren lässt als sie direkt so einzusetzen, oder?

    So oder so – bin gespannt, was da noch kommt.

    • Freut mich, da den Geschmack einiger Leser getroffen zu haben. 🙂 Ich finde gerade Konzeption von Armeen ist ein spannender Teil des Hobbys. Chris hat das bereits letztes Jahr mit seiner Kings of War-Diablo-Sigmarine-Armee sehr schön gezeigt.

      Dass sich das Projekt während des Malprozesses ändert und eine Mini-Evolution durchläuft, ist ja durchaus üblich. Inwiefern das auch hier zutrifft, sehen wir in den nächsten Wochen. 😉

      Wo ich Dich vielleicht enttäuschen muss: Mignolas sehr stilisierten Zeichenstil auf detaillierte Miniaturen zu übertragen, scheint mir nur schwer umsetzbar. Mir geht es eben um eine … hm … emotional und thematisch ähnliche Optik. Ein extrem comic-hafter Look von Miniaturen geht in vielen Bereichen zu stark gegen meinen eigenen Malstil, da kämen jede Menge Probleme auf mich zu. Dennoch gibt es einige Maler, die einen zumindest tendenziell stark an Comics erinnernden Look hinbekommen. Wichtiger Aspekt dabei ist sehr harsches Blacklining, soviel kann ich da schon sagen.

      Ich hoffe aber, dass auch die nächsten Teile der Serie für Dich von Interesse sind. Ich denke, ich habe da vielleicht noch ein oder zwei Asse im Ärmel…;)

      • Witzig, dass du jetzt Christians „Basileer“ einbringst. Die hatten mich darauf gebracht, dass ich meine alten Ideen von Warcraft-1&2-Orcs und Dämonen à la Diablo III vielleicht doch umsetzten könnte.
        Schickerweise kam jüngst die Ankündigung einer gewissen Videospiel-Adaption daher, und nun weiß ich, was mit den Sigmarines der AoS-Box anstellen. Hä, hä, hä…

        Ansonsten:
        Schön, wenn dich das anspornt. Und Asse im Ärmel sind ja immer gut. Doch enttäuschen wirst du sicher nicht, denn: Dein Projekt, dein Weg.
        Das trifft bloß einige Überlegungen, die ich schon lange mit mir rumtrage*, und dann sprudeln die Ideen. Zumindest fühle ich mich jetzt angespornt, mal Figuren deutlich stilisierter zu bepinseln – egal wie sie modelliert sind. 😀

        * Zur Abgrenzung des Kunstbegriffs zu Kunstfertigkeit, Gestaltung, Design etc., Unvereinbarkeit oder Gebot von Innovation / Konformismus usw usf. speziell auch im Miniaturenbereich mit den speziellen medialen Bedingtheiten – allem voran dem Zweigestirn Modellierung-Bemalung -, seinem ganz eigenen Kampf mit und um Realitätsabbildung und seinen fest etablierten Konventionen.

    • Gute Frage, ich könnte es Dir nicht mehr sagen – die habe ich irgendwann um 2007/2008 rum gekauft. PK-Pro vielleicht? Sorry, ich weiß es leider nicht mehr.

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