von Dennis | 15.07.2009 | eingestellt unter: Field of Glory, Reviews

Review: Field of Glory

Als erste der „Altlasten“ haben wir uns Field of Glory vorgenommen.

Field of Glory

Wie eines der jüngsten Regelwerke auf dem historischen Tabletop Markt abschneidet und ob es auch für Einsteiger geeignet ist, könnt ihr hier lesen.

Worum geht es bei Field of Glory?
Field of Glory ist ein historisches Regelwerk von Slitherine und Osprey Publishing. Osprey ist bekannt für ihre militärhistorischen Bücher, die umfangreich und mit vielen Illustrationen aller erdenklichen Epochen und Kriege abdecken, und daher nicht nur im historischen Tabletop einen sehr guten Ruf genießen.
Das ist im Grunde schon einer der großen Vorteile von Field of Glory. Denn im Gegensatz zu den vielen anderen Regelwerken im historischen Bereich, handelt es sich bei dem Hardcover Regelwerk um ein ansprechend gestaltetes und in diesem Fall sogar auf deutsch erhältliches Printprodukt. Bei den „Vorbildern“ wie DBX (De Bellis Reihe) oder WRG (Wargames Research Group) gibt es zwar genügend Dokumente, die im Internet und Spielerkreisen verfügbar sind, aber hier überzeugt ein gebundenes Buch mit Diagrammen und Graphiken doch deutlich mehr, als ein Stapel Blätter mit schwer verständlichen Texten.
Field of Glory ist somit der Versuch eines einsteigerfreundlichen historischen Systems mit Massentauglichkeit.

Was bietet das Regelwerk?
Wer aus dem Fantasy oder Sci-Fi Tabletop Bereich kommt, wird sich beim durchlesen erst einmal erschlagen fühlen. Während in den meisten Regelwerken die wirklichen Regeln auf 40-60 Seiten zusammengefasst sind und der Rest in Hintergrund, Mal- und Hobbyseiten, und der gleichen aufgeteilt ist, handelt es sich bei dem Field of Glory Regelwerk um ein vollständiges Regelwerk auf über 150 Seiten. Das klingt nach sehr viel, ist es auch, aber beinhaltet einen sehr umfassenden Glossar und Appendix, der z.B. auch ungewöhnliche Spielsituationen abdeckt. Hier merkt man, dass sich die Entwickler wirklich Mühe gegeben haben, alle Situationen im Regelwerk abzudecken ohne sich dabei in einen Zwist aus „Regel gemeint als“ und „Regel geschrieben als“ zu verwirren. Es gibt daher nicht den Ansatz der „Auslegungssache“, was Field of Glory wieder rum ansprechend Turnierfähig und vor allem von Interpretationsfehlern bereinigt.
Außerdem bietet das Regelwerk viele Bilder von Armeen und Schlachten, im Anhang auch Tipps und Hilfen zur Armeekomposition und –auswahl, auch Regeln zu Besonderheiten wie Befestigungen oder besonderen Einheiten.

Field of Glory

Wie spielt sich Field of Glory und welche Epochen deckt es ab?
Field of Glory greift auf ein klassisches I-Go-You-Go (ich ziehe, du ziehst) System zurück, mit der gewohnten Einteilung nach Bewegung, Schießen und Nahkampf. Allerdings gibt es ein paar Ausnahmen, wie z.B. gemeinsame Phasen und der Angriffsphase. So schießen in den Schussphasen der Spieler immer beide Spieler. Dies klingt zu nächst sehr verheerend, aber Beschuss ist eher ein taktisches als ein alles vernichtendes Element in Field of Glory. Außerdem gibt es noch die gemeinsame Aktionsphase am Ende des Zuges des jeweiligen Spielers, in der unter anderem Befehlshaber bewegt oder Truppen gesammelt werden können.
Es gibt zu dem noch die Unterscheidungen zwischen Angriffs- und Nahkampfsphase. Die Angriffsphase stellt den Aufprall des jeweiligen Angreifers auf die andere Seite da, mit voller Kraft bewegen sich die Truppen in den Nahkampf. Die spätere Nahkampfphase stellt das daraus resultierende Schlachtenchaos da.
Aufgrund der abgedeckten Epochen, die sich bis jetzt zum Großteil vor dem Einsatz von Schießpulver verteilen (wird sich auch ändern, da eine Napoleonische Ergänzung geplant ist), werden Schlachten im Nahkampf gewonnen. Hier werden verschiedene Vorteilspunkte wie Truppenqualität und Bewaffnung beider Seiten miteinander verrechnet. Anstelle den Gegner einfach nur „abzuschlachten“, liegt hier der Schwerpunkt auf dem Brechen der Moral bis der Gegner letzt endlich aufgerieben und überrannt wird.
Aktuell deckt Field of Glory mit 12 verschiedenen Ergänzungsbänden Armeelisten für alle möglichen Epochen ab, die nach und nach erweitert werden.

  • Rise of Rome – Republikanisches Rom
  • Storm of Arrows – Europa im Spät-Mittelalter
  • Immortal Fire – Antikes Griechenland
  • Swords and Scimitars – Die Kreuzzüge
  • Legions Triumphant – Imperiales Rom
  • Eternal Empire – Die Ottomanen
  • Decline and Fall – Byzanz
  • Wolves from the Sea – Dunkles Zeitalter
  • Swifter than Eagle – Biblischer Mittlerer Osten
  • Oath of Featly – Europa im Feudalzeitalter
  • Empires of the Dragon – Ost-Asien
  • Blood and Gold – Amerikanische Ureinwohner

Ich besitze das Regelwerk, was nun?
Zum Spielen benötigt man nun nur noch eine Handvoll W6 (am besten in 2-3 verschiedenen Farben) und Miniaturen. Field of Glory gibt zwar keinen festen Maßstab vor und lässt sich grundsätzlich in beliebigen Größen spielen, aber hat sich in Europa der 15mm Maßstab durchgesetzt.
Im Regelwerk sind 4 verschiedene Beispielarmeen vorgegeben (Römer vs. Karthago, Frankreich unter König Philippe vs. England unter König Edward), allerdings nach dem man sich in der Spielergruppe auf bestimmte Epochen geeinigt hat, bieten sich die oben genannten Armeelistenbücher (Kosten zwischen 15-20 EUR) an.

Field of Glory
Es gibt eine breite Auswahl an Anbietern für 15mm Figuren, wie z.B. Xyston, Corvus Belli oder Essex. Eine komplette Armee für Field of Glory ist etwas teurer als z.B. bei DBA, da mehrere Elemente verwendet werden, und liegt etwa bei 80 – 100 EUR, man erhält dafür aber gut und gerne ~ 150-200 Miniaturen der jeweiligen Hersteller.
Gelände ist ebenfalls sehr zügig und günstig besorgt. Entweder man bastelt ein paar Felder und Wälder selbst und / oder man bedient sich im Eisenbahnbedarf. Hier sind die kleinen Maßstäbe auch recht günstig zu beziehen.

Wie geht es weiter mit Field of Glory?
Osprey und Slitherine entwickeln Field of Glory weiter. So sind weitere Epochenbände geplant, wie z.B. für die Napoleonische Kriege. Außerdem arbeitet man aktuell an einer PC Umsetzung von Field of Glory, welches sich sehr nah an dem Brettspiel orientiert.
In Deutschland gibt es nach und nach immer mehr Angebote an Turnieren und Spielrunden für Field of Glory, wer sich dahingehend informieren möchte, ist bei den beiden deutschen historischen Tabletop Foren Sweetwater und Tiny-Soldiers gut beraten und aufgehoben.

Field of Glory

Fazit
Field of Glory ist ein gelungenes System, welches zwar noch nicht wirklich einsteigerfreundlich ist, aber deutlich einsteigerfreundlicher als manch anderes Regelwerk aus dem historischen Bereich. Es empfiehlt sich erst einmal an 1-2 Demorunden teilgenommen zu haben, anstatt nur „trocken“ das Regelwerk zu büffeln, da diese deutlich zum Verständnis der Regeln beitragen.
Die Regeln sind in der Praxis schnell verstanden und man hat einen klaren gemeinsamen Nenner, es ist also egal ob man in Berlin, Brüssel oder Budapest sein nächstes Spiel / Turnier hat, da alle Regeln klar formuliert sind und durch entsprechende Graphiken und Diagramme unterstützt werden.
Zusätzlich unterstützt die Art und Weise wie die Armeen zusammengestellt werden, eine „historisch korrekte“ Armee anstelle von maximierten Turnierlisten, was gerade bei historischen Systemen ein definitiver Pluspunkt ist.

Mich für meinen Teil hat Field of Glory wirklich überzeugt und begeistert. Die 15mm Miniaturen sind eine angenehme Abwechslung für den im Fantasy/Sci-Fi stark verbreiteten 28mm Maßstab und das taktische Element, welches dem Spiel eine gewisse Herausforderung mit gibt ohne langatmig zu wirken, reizt auch Spieler die sich bisher den historischen Systemen verwehrt haben.

Das “offizielle deutsche” Forum zu Field of Glory findet ihr bei Slitherine.

Quelle: Field of Glory

Dennis

SiamTiger / Dennis, Stellvetr. Chefredakteur von Brückenkopf Online. Seit 1996 im Hobby. Erstes Tabletop Blood Bowl. Aktuelle Projekte: http://www.chaosbunker.de/

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Kommentare

  • Liest sich ja soweit recht interessant – also Interesse weckend. Allerdings muß ich auch sagen, daß ich aus der Fantasy-Ecke zum Tabletop gekommen bin und das nach wie vor einen der wesentlichen Faktoren für mich ausmacht. Andererseits ich Probleme mit der Akzeptanz historischen Tabletops habe, da es nun doch historisch, blutige Wirklichkeit nachstellt, die nie wirklich glorreich war – weder die WKII Hintergründe, noch historische (bis in die Antike).
    Den über Geldbeutel, Spielgeschick und -Glück erzeugten Ergebnissen haftet immer das, teils sehr pietätlose „was wäre, wenn?“ an.
    Andererseits ist eine Spielmechnik, die sich vielleicht mehr als Simulation sieht, denn als „schlichtes“ Fantasyspiel, eine nette Alternative zu bestehenden Systemen?! Ließe sich z.B. Fields of Glory anpassen auf die Welt Mittelerdes? Liefert also allein schon das Grundregelwerk ansätze, mit wenig Aufwand Heere Mittelerdes aufeinander zu hetzen?

  • FoG beinhaltet ein Punktesystem um eigene Einheiten erstellen zu können. Regeln für Magie oder ähnlichen Käse muss man sich allerdings selbst ausdenken.
    Battle of five Armies ist sehr empfehlenswert, nur leider hat GW den Support fast vollständig eingestellt.
    Eigentlich sind Fantasy- und Sci-Fi-Tabletops moralisch wesentlich bedenklicher als historische. Gerade WHFB und 40K glorifizieren Gewalt in einem immensen Ausmaß. Das historische Tabletop hilft, sich mit der Vergangenhiet zu beschäftigen, die Dinge differenziert zu betrachten und seine Schlüsse daraus zu ziehen 🙂 Zumindest die Älteren unter uns sollten dies so machen.

    Ansonsten: netter Bericht, der die lange Wartezeit fast schon rechtfertigt 😉

  • Ja, FoG war so ein Brocken, an den wir erstmal nicht wussten wie wir da herangehen sollen. Das hat auch nicht wenig Zeit gekostet, daher die Verzögerung.
    An der Stelle noch mal Danke an Thomas für die Demospiele und Erklärungen zum Regelwerk.

  • Ja sehr netter Bericht. Ich kann leider Historischen Spielen nichts abgewinnen (Man muss da immer zu viel recherchieren, man hat Farbschemata die vorgegeben sind und man sollte immer auf historisch Richtige Paarungen achten. Ach und es gibt keine Magie)

    Zum Thema Herr der Ringe als Leichtes System empfehle ich Hordes of the Thing.

    http://www.boardgamegeek.com/boardgame/5369. Wie Siamtiger erwähnte gibt es schöne Miniaturen in 10mm. Oder man nimmt die GW Figuren im größeren Maßstab (man benötigt bedeutend weniger davon um geile Spiele zu haben)

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