von BK-Thorsten | 09.05.2018 | eingestellt unter: Napoleonisch, Reviews

Review: Koalitionskrieg

Wir haben uns mit Koalitionskrieg in die wirren eines napoleonischen Schlachtfeldes gewagt.

Review Koalitionskrieg 01

Auf einen Blick:

Produkt: Koalitionskrieg – Blei und Schwefel im 19. Jahrhundert

Hersteller: Michael Berndt

Preis: 29,95 Euro

Das Reviewmaterial wurde von Hersteller gestellt.

Review Koalitionskrieg 02

Das Buch

Bevor wir uns dem Inhalt widmen drehen und wenden wir das Buch in den Händen und flippen einmal die Seiten durch. Das Hardcover ist im Format A5 und bereits im ersten Moment schreit alles an ihm: robust! Die letzte Seitenzahl zeigt 164 und die in Vollfarbe gehaltenen Seiten sind aus einem schweren Papier, welches in einem „vergilbte Seiten“-Look gehalten ist. Rückseite und Front des Buches zeigen als Hintergrund einen Ausschnitt einer gerade stattfindenden Tabletop-Schlacht. Das mag schlicht erscheinen, versprüht aber jede Menge Charme. Auch die verwendete Schriftart, eine klare, fließende Schönschrift, wissen zu gefallen. Im Buch selbst wird eine gewöhnliche Druckschrift verwendet. Alles in allem, und vom Hintergrundmotiv abgesehen, wirkt es auf den ersten flüchtigen Blick schon ein wenig wie ein von einem Offizier geführtes Kampagnentagebuch.

Die Regeln im Überblick

Bevor es mit den eigentlichen Regeln los geht erfahren wir ein wenig etwas zur Entstehungsgeschichte des Buches und zum historischen Hintergrund der Schlachten welche man mit den Regeln ausfechten kann. Ziel der Regeln ist es unter anderem dem Spieler auch vergleichsweise kleine Kämpfe zu ermöglichen. Der Fokus liegt auf eher einfach zu erlernenden Regeln sowie Skalierbarkeit.

Koalitionskrieg ist für 28mm oder 1:56 Miniaturen gedacht, nutzt W10 und misst Entfernungen in Zoll. Als Spielfeldgröße werden 48×72“ oder größer empfohlen. Eine Spielrunde ist in mehrere Phasen aufgeteilt. Die erste ist die Vorbereitungsphase. Hier ermitteln die Spieler die Anzahl der ihnen für diese Runde zur Verfügung stehenden Befehle. Die ist beinahe ausschließlich von der Anzahl der auf dem Schlachtfeld präsenten Offiziere abhängig. Lediglich Veteraneneinheiten erhalten einen eigenen zusätzlichen Befehl. Danach wird um die Initiative gewürfelt und als letzter Schritt verteilen die Spieler verdeckt die Befehle an die Einheiten. Dies können bis zu zwei Befehle pro Einheit sein, im Fall von Veteranen sogar bis zu drei.

In der nun folgenden Befehlsphase aktivieren die Spieler abwechselnd je eine Einheit und führen mit dieser alle ihr vorher zugewiesenen Befehle in beliebiger Reihenfolge durch. Neben den üblichen Befehlen wie bewegen, angreifen, schießen oder marschieren kann einer Einheit in Koalitionskrieg auch befohlen werden die Waffen zu laden, die Formation zu ändern oder zu rasten. Und natürlich mit Gewehren bewaffneter Kavallerie vom Pferd ab- bzw. aufsitzen oder eine Artillerie auf- bzw. abprotzen. Bewegungsweiten sind in fixen Werten angegeben, lediglich beim Angriff, dem Stürmen in den Nahkampf, wird ein Teil der Bewegungsweite mit dem Würfel ermittelt. Sind alle Befehle aller Einheiten abgehandelt folgen die Moraltests der einzelnen Einheiten und der Armee als solches (sobald mehr als die Hälfte der ursprünglichen Armee vernichtet wurden) sowie das Prüfen der Siegbedingungen.

Review Koalitionskrieg 03

Einheitenanatomie

Infanterieeinheiten bei Koalitionskrieg bestehen aus 12, Kavallerieeinheiten aus sechs Modellen. Bis auf eine Formation verfügen sie über Front, Rücken und zwei Flanken wobei die Bereiche nicht in 45°-Winkeln abgebildet werden außer was das Schussfeld angeht. Vielmehr entstehen Front- und Rückenbereich aus 180°-Bereichen entlang der jeweiligen Kante und lediglich der Bereich zwischen diesen Kanten, also die Tiefe der Einheit stellt die Flanken dar. Neben der kompakten Marschformation und der breiteren Linienformation kann Infanterie auch ein Karree bilden bei dem jede Kante vier Modelle breit ist und die ausschließlich über Frontbereiche verfügt, also einen 360° Sichtbereich besitzt. Plänkler bestehen aus sechs Modellen in lockerer Formation. Es empfiehlt sich also das einzelne basieren von Modellen wenn man die volle Tiefe ausschöpfen möchte. Offiziere stehen nicht in den Einheiten selbst sondern fristen ihr Dasein als Einzelmodell.

Wem das jetzt zu läppisch klingt könnte in den erweiterten Regeln glücklicher werden. Hier besteht die Möglichkeit einige Einheiten zu einer Brigade aus 36 (Infanterie), 12 (Kavallerie) oder 3 (Artillerie + Bedienmannschaften) zusammenzufassen.

Einheiten und Offiziere sammeln durch Beschuss oder Nahkampf keinen Schaden an sondern Ermüdung. Erreicht die Anzahl der gesammelten Ermüdung den im Profil angegebenen Wert gilt eine Einheit als erschöpft. Erschöpfte Einheiten können lediglich den Befehl Rasten durchführen und müssen nach der Befehlsphase einen Moraltest durchführen, der durchaus im schlimmsten Fall mit der Vernichtung der Einheit enden kann. Übrigens können Treffer im Nahkampf durch einen Schutzwurf verhindert werden, im Fernkampf allerdings nicht.

Damit die einzelnen Einheiten sich besser voneinander abheben gibt es in den erweiterten Regeln eine Reihe von Sonderfähigkeiten.

Review Koalitionskrieg 04

Armeen ausheben

Nach dem kurzen Regelteil geht es an die Armeelisten. Hier trumpft Koalitionskrieg noch einmal richtig auf, denn diese sind ordentlich umfangreich: Le Grande Armee, Royal Army, Preußen, Österreich-Ungarn, Braunschweig und Russland bilden den Hauptteil, Herzogtum Warschau, Hannoveraner, Spanien, Königreich Bayern, Herzogtum Sachsen und Herzogtum Nassau bilden die Verbündeten-Divisionen. Neben den vielen unterschiedlichen Offizieren (beritten oder zu Fuß) ergänzen Feldarzt, Kompanieküche und Stab und Adjutanten die Auswahl.

Je nach gewählter Punktgröße gilt es nun Divisionen zu füllen, wobei einige Pflichtauswahlen erfüllt werden müssen, es aber primär eher darum geht das Maximum einzuhalten. Auch die maximale Anzahl Verbündeten-Divisionen wird über die Punktgröße festgelegt. Dass hier nicht jeder mit jedem kann versteht sich von selbst und als Erinnerungsstütze gibt es eine Verbündetenmatrix zur Orientierung. Aus welchen Einheiten sich eine solche Division zusammen setzen kann bestimmt der individuelle Organisationsplan der jeweiligen Armee.

Skirmish und Szenarien

Gegen Ende des Buches finden sich die Regeln für „Skirmishspiele“ oder genauer gesagt die Anpassungen die dafür vorgenommen werden. So können bereits relativ früh beim Aufbau der eigenen napoleonischen Armee erste Gefechte ausgetragen und die Regeln kennengelernt werden. Skirmish, das heißt hier aber nicht direkt Mann-gegen-Mann. Es handelt sich lediglich um eine recht geringe Punktgröße basierend auf einem allgemein gültigen Divisionsplan speziell für Skirmish-Spiele die auf einem kleineren Tisch (48×48“) ausgetragen werden. Die Beispielarmee beinhaltet neben drei Offizieren sechs Einheiten.

Das Buch beinhaltet vier Szenarien, wobei nur zwei davon auch für Skimish-Gefechte als geeignet markiert sind. Diese als Standardgefecht und Zufällige Begegnung bezeichneten Szenarien benötigen kein spezielles Gelände und es gilt primär die Einheiten des Gegners zu vernichten. Komplexer sind da schon Rheingrenze (ein Fluß teilt das Spielfeld in der Mitte auf, es gibt lediglich zwei Brücken sowie einige Wälder und es gilt die jeweils andere Flussseite zu besetzen.) und Haltet die Stellung (Der Verteidiger muss sieben Spielrudnen lang ein in der Mitte befindliches befestigtes Dorf/Gut verteidigen.).

Review Koalitionskrieg 05

Fazit

Koalitionskrieg kommt als kleines A5-Buch daher, aber sobald man es öffnet und anfängt zu lesen stellt man fest wie viel eigentlich darin steckt. Dabei ist die Schriftgröße auch noch angenehm gewählt und der Text wird immer wieder mit Fotos von Miniaturen aufgelockert, Diagramme sind wo nötig ebenfalls vorhanden.

Das Ziel ein eher einsteigerfreundliches Regelwerk in die Zeit der napoleonischen Kriege zu bieten kann durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die Regeln sind kurz, übersichtlich und gut erklärt. Zusätzlich enthält das Buch alle Spielwerte und Armeelisten so dass man eigentlich nur noch die passenden Miniaturen benötigt und hier ist die Auswahl dann auch recht ordentlich.

Die Bezeichnung des enthaltenen „Skirmish-Modus“ mag Neueinsteiger im historischen Tabletop zunächst verwirren, er sorgt aber gerade zu Beginn für Motivation da innerhalb des Kontextes bereits eher wenige Figuren genügen um die Malsessions immer mal wieder mit kleinen Partien zu unterbrechen. Da es sich lediglich um wenige Anpassungen handelt erhält man so ganz nebenbei auch Spielerfahrung die in den größeren Partien später von Nutzen sein wird.

Das Buch selbst überzeugt mit seiner ansprechenden Optik und lässt sich aufgrund des Formats wunderbar überall mit hin nehmen.

BK-Thorsten

Brückenkopf-Online Redakteur und Tabletop Insider stv. Chefredakteur. Spielt Infinity, SAGA, Freebooter's Fate, Kings of War, Warhammer 40k, Warzone Resurrection, Dropzone Commander, Deadzone, Dreadball, X-Wing, Konflikt '47, Bolt Action, Dead Man's Hand, Dracula's America, Beyond the Gates of Antares, Dropfleet Commander, Frostgrave, Collision, Bushido, Shadespire, Aristeia! und Warpath.

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Kommentare

  • Vielen Dank für die Review! sich Das Regelwerk hört sich sehr interessant an und zudem freut mich es sehr mal etwas historisches auf einer der News Plattformen zu lesen. Gerne mehr davon!

  • Klingt sehr interessant! Ich denke mal, dass ich hereinschnuppern werde und wen es was für micht taugt kann eventuell sogar das Sprungbrett in die historischen Spiele werden. 😁

  • Ich wurde davon mal bei der Tactica angefixt. Nun kann ich einmal eine französische Streitmacht stellen und ihr gegenüber die Hanseatische Legion (als Preußen) auf der anderen Seite. Sehr schön um einen Fuß in das Thema der historischen Tabletops zu bringen. Ich kann es nur empfehlen 🙂

  • Hab Koalitionskrieg schon einige Male in der Skirmish-Variante auf 1,20 m x 1,20 m gespielt – geht ebenfalls und macht absolut Laune. Als historisches Tabletop finde es ähnlich einsteigerfreundlich wie SAGA, wobei mir die Sache mit den verdeckten Befehlen besonders gut gefällt. Wir hatten das Spiel vor 1 1/2 Jahren auch in unserem TWS-Adventskalender – hier nochmals unser kurzes Video-Review: https://youtu.be/uJinYaf-R1g

  • Besitze auch das Buch und habe einige partien bestritten. Es ist kurzweilig und einsteigerfreundlich, gerade auch weil man recht wenige minis braucht. Ideal als Nebensystem. Das einzige was mir kritisch aufgefallen ist: man hätte das buch von ein paar mehr leuten Korrektur lesen lassen sollen, stichwort “le“ grande armee… da Rollen sich einem.die Fingernägel hoch. Trotzdem unterm strich ein gelungenes System und und ich wünsche mir dass es mehr Verbreitung findet.

  • Danke für das Review. Könntest du noch was zur Basierung der Modelle sagen? Gibt das Regelwerk strikte Vorgaben bei der Basegröße (und entsprechen die ggf. dem gängigen Standard anderer Regelwerke) oder ist man da frei?

    • Ein einzelnes Modell steht bei Infanterie auf 20x20mm, Kavallerie 25x50mm. Das mal so schnell aus dem Kopf, ohne Gewähr, außer bei der Infanterie. Da bin ich mir sicher. Wobei das jetzt auch so die gängigen Formate bei 28mm sind, die auch den Boxen z.B. der Perrys oder von Warlord Games beiliegen.

      Hab ich das doch tatsächlich vergessen. Mist. Ich ergänze das heute Abend mal, wenn ich wieder zuhause bin und das nachschlagen konnte.

      • Kenne jetzt die Perry-Boxen für den napoleonischen Krieg nicht, aber bei so ziemlich allen anderen (ACW, HYW, WotR) sind 45x40mm-Bases drin.

        Ich kann generell nicht so viel zu napoleonischen Gefechten sagen, stelle aber immer wieder fest, dass man Regelwerke besser nicht im Nachhinein generalisieren sollte. Das führt oft zu Vereinfachungen und unscharfen Begrifflichkeiten, die dann gegenüber den spezialisierten Regelwerken das Gefühl für die Epoche nicht mehr gut transportieren. So liest sich leider auch die Erweiterung für den ACW. Man merkt einfach, dass das System dafür nicht gedacht ist. Ich mein, der US-President darf mit… Lincoln war bei nur einer echten Kampfhandlung anwesend: in einem Fort vor Washington. Hätte man da nicht was sinnvolleres nehmen können? Corps-Commander oder sowas?

        Aber ich mag auch dieses „Zouaven sind so:…“-Prinzip einfach nicht. Echte Zouaven gab es im amerikanischen Bürgerkrieg nicht und ob ein Regiment eine entsprechende Uniform trug oder nicht, sagte noch gar nichts über die Kampfkraft aus. Sonst hätte man wohl die ganze Iron Brigade entsprechend einkleiden müssen…

        Das Regelwerk funktioniert bestimmt prima und es freut mich immer, wenn sie Spieler auf diese Weise verwirklichen. Meinen Geschmack trifft es halt nicht, aber der hat ja keine allgemeine Gültigkeit. 😉

  • Ich habe mir das Buch vor einiger Zeit auch zugelegt, bin bisher aber noch nicht dazu gekommen, das System zu testen. Es macht auf jeden Fall einen guten Eindruck auf mich.
    Negativ ist mir eigentlich vor allem nur die Auswahl der Fotos aufgefallen. Es gibt Modelle, die auf dem Spieltisch auf Armeslänge oder mehr okay aussehen, mehr aber auch nicht. Solche Modelle sollte man dann aber vielleicht nicht in Großaufnahme abdrucken. Das fällt für mich aber eher in die Kategorie „Schönheitsfehler“ und ist kein wirkliches Drama.

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