von BK-Marcus | 16.02.2018 | eingestellt unter: Veranstaltungen, Warhammer 40.000

Las Vegas Open: Fairness und Karma

Auf dem größten Warhammer-40.000-Turnier der Welt spielte sich im Halbfinale eine unglaubliche Szene ab. Und das war erst der Anfang!

Das von Frontline Gaming organisierte Las Vegas Open ist eine der größten US-Amerikanischen Tabletop-Conventions und fand dieses Jahr vom 26. bis 28. Januar im Ballys Casino in Las Vegas statt. Auf dem diesjährigen LVO wurde, neben vielen anderen Events, mit dem Warhammer 40k Singles Championship das weltweit größte 40k-Turnier (475 Teilnehmer!) abgehalten. Nicht nur das: Dieses Turnier stellte auch das Finale des ebenfalls von Frontline Gaming organisierten ITC (Independent Tournament Circuit) 2017 dar, einer Turnier-Liga, die mit einem Preisgeld von nicht weniger als 4.000 USD für den Gewinner aufwartete!

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Leider lief nicht alles perfekt. Neben einigen kleineren Schwierigkeiten gab es vor allem Probleme mit der Zeit. Zweieinhalb Stunden waren pro Spiel angesetzt, und viele Spiele wurden in dieser Zeit nicht zu Ende gespielt. In manchen Fällen kam man wohl nur bis Runde 2 oder 3! Dafür gab es verschiedene Gründe, aber insbesondere da viele Spiele live auf Twitch übertragen wurden, und unvollständige Partien für die Zuseher nicht gerade spannend sind, bestand hier natürlich Verbesserungsbedarf.

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Schnellvorlauf zum Halbfinale: Tony Grippando (Aeldari) und Alex Fennell (Militarum und Space Wolves), zwei bekannte Namen in der US Turnierszene und in allen Berichten, die wir fanden, als faire, freundliche „Gentleman“-Spieler gelobt, traten gegeneinander an. Um die Probleme der Vortage zu bekämpfen und sowohl ein schönes Spiel zu haben, als auch den Zusehern im Stream was zu bieten, einigte man sich darauf, zu versuchen, Gas zu geben. Man wollte einander beim Messen helfen, alles nicht so 100% genau nehmen und allgemein Dinge tun, die Zeit sparen. Gerade Alex war einige Male kulant und meinte „stell’s so hin, wie du meinst, ich vertrau‘ dir“ oder ähnliches.

Als er dann aber zu Beginn seines zweiten Spielzugs einige Modelle via Deep Strike ins Spiel brachte, und danach den Rest seiner Armee bewegen wollte, bestand Tony darauf, dass Deep Strike am Ende der Bewegungsphase ist, und Alex durch seinen „Fehler“ die Chance verpasst hatte, seine Armee in Position zu bringen. „Deine Bewegungsphase ist vorbei, da muss ich jetzt drauf bestehen.“

Hier ist das Spiel zwischen Alex und Tony, der Beginn von Alex‘ zweitem Spielzug ist bei ca. 01:19:00.

Rein technisch war Tony natürlich im Recht. Doch da in der 8ten Edition für Deep Strike nicht mehr gewürfelt wird und man keinerlei Vorteil (eher mal einen Nachteil) daraus hat, diese Modelle vorher aufzustellen, fielen die Reaktionen auf Tonys unsportliches Insistieren ertwartungsgemäß negativ aus. Der Twitch-Chat explodierte mit Unmutsbekundungen, einer der Kommentatoren meinte, er sage da jetzt besser nichts dazu, sonst darf er nie wieder einen Stream moderieren, und Alex war hörbar unbegeistert, dass sein Gegenspieler ihm jetzt aus so einer Kleinigkeit einen Strick drehen würde. Immerhin waren es gerade die nahkampfstarken Space-Wolves-Einheiten, die er noch nicht bewegt hatte, und so würde er eine weitere Schussphase der Eldar völlig exponiert schlucken müssen. Eine so gut wie garantierte Niederlage. Alles nur, weil er sich beeilen wollte, wie man es abgemacht hatte. Tony hatte ihm sogar noch beim Ausmessen der Deep Strikes geholfen, wohl wissend, dass er seinen Gegenspieler gleich auf die Regen festnageln würde.

Tony hatte, daran hatte niemand Zweifel, das bestehende Gentlemen’s Agreement gebrochen.

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Wo so manchem wahrscheinlich ordentlich der Kragen geplatzt wäre, blieb Alex aber ruhig. Er wollte das Spiel erst mit einem „GG“ beenden, beschloss dann aber nach kurzem Überlegen, es schon allein deshalb zu Ende zu spielen, damit die Zuseher im Livestream zumindest noch ein bisschen Unterhaltung geboten bekommen. Immerhin hatte man erst eine Stunde gespielt und niemand hatte eingeschaltet, um einen Spielzug, einen „Trick“-Sieg und einen schmollend davon ziehenden Verlierer zu sehen. Außerdem war er hier, um 40k zu spielen, also hat er auch 40k gespielt. Natürlich verlor er deutlich und Tony stieg ins Finale auf. An dieser Stelle ist es vielleicht wichtig, zu wissen, dass aufgrund der über die Season gesammelten Punkte ein Sieg im Finale für Tony bedeuten würde, dass er auch das ITC, und damit die 4.000 USD gewinnt…

Als er dann am nächsten Tag seinem Finalgegner Nick Nanavati gegenüber stand, der einen Person, die genug ITC-Punkte hatte, um ihm den Titel (und den Geldpreis) streitig machen zu können, unterlief ihm ein ähnlicher Flüchtigkeitsfehler wie am Tag zuvor Alex. Er bat darum, die Aktion zurücknehmen zu dürfen und Nick antwortete: „Nicht nachdem, was du mit Alex abgezogen hast.“ Nick gewann in Folge das Spiel, das Turnier und schlug Tony im ITC-Ranking um nur knapp mehr als einen Punkt.

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Viele feiern diesen „Karma“-Moment, doch der wirkliche Grund zum Feiern dieser Episode, und der Anlass für diesen Artikel, spielte sich nicht auf dem Final-Tisch ab, sondern im Internet:

Marc Merrill, Co-Gründer von Riot Games (League of Legends) und selbst ein Warhammer-40.000-Fan, der mit seinem Interesse für unser Hobby schon in der Vergangenheit für etwas Aufsehen sorgte, hatte das Halbfinalspiel nämlich auf Twitch mitverfolgt und daraufhin folgenden Tweet abgesetzt:

Als die Organisatoren des LVO auf den Tweet aufmerksam gemacht wurden, war man sich erst gar nicht sicher: „Ist das echt!?“ Es stellte sich dann schnell als echt heraus und man trat in Verbindung, um das umzusetzen. Alex aber legte noch einen drauf, indem er diesen Preis zwar dankend annahm, ihn aber einem Kinderkrankenhaus spenden wollte, für das sein lokaler Hobbyclub schon mal Geld gesammelt hatte! Damit nicht genug, sprach er dann auch noch mit seinem Arbeitgeber und dieser erklärte sich bereit, die Spende auf 10.000 USD zu verdoppeln! Da aller guten Dinge bekanntlich drei sind, stießen zu guter Letzt auch noch Games Workshop dazu, lobten Alex‘ Verhalten in einem Artikel auf der Warhammer Community, und erhöhten die Spende nochmal um 5.000 USD:

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Today, a heartwarming tale of sportsmanship, generosity and the power of community…

While most games of Warhammer are played in a friendly environment where winning never trumps having fun with a fellow hobbyist, sometimes the heat of the moment and the siren call of the dice can get the better of a player. This was the case during the semi-finals of the Las Vegas Open last week. However, a courageous and most sporting gamer, Alex Fennell, opted to take the high-road, forgoing any protest that might have caused a heated debate, and played on despite being put in an impossible position. As expected, Alex lost.

Meanwhile, watching via Twitch, Marc Merrill, co-founder of Riot Games (makers of League of Legends) and himself a massive Warhammer 40,000 fan, posted a tweet… He wanted to give Alex a $5,000 sportsmanship award for the way he conducted himself during the game.

Alex, again showing himself to be a thoroughly decent human being, pledged the money to a children’s hospital. He even went on to convince his employer to match the donation.

When we heard about this, we were blown away. So we’re really pleased to say that Games Workshop will also be contributing $5,000.

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For us, this is a great reminder of the importance of sportsmanship in gaming. Fun is at the core of the Warhammer hobby, and it’s reassuring to know that even in the semi-finals of a tournament that has a large cash prize, most hobbyists play with that in mind.

In fact, we’ve realised we really ought to do more to reward sporting play. We’re now working on plans for an annual Most Sporting award. We’ll hopefully have something more to tell you this summer. Until then, have fun gaming.

– The Warhammer Community Team

Games Workshop waren so beeindruckt von Alex‘ Sportlichkeit, dass sie diese Ereignisse zum Anlass nehmen werden, noch dieses Jahr selbst ein Konzept für einen jährlichen Sportlichkeitspreis auszuarbeiten. Im Sommer sollte es dazu weitere Informationen geben.

Übrigens: Tony entschuldigte sich etwas später bei den Turnierorganisatoren und meinte, er war „zu ehrgeizig“ gewesen und hatte „die Perspektive verloren“. Das überraschte die Wenigsten denn, wie gesagt, er ist eigentlich als sehr fairer und freundlich Spieler bekannt.

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Zum Abschluss gibt es für alle, die noch nicht genug von dieser Story haben, ein Interview, das Frontline Gaming am Mittwoch mit Marc Merrill und Alex Fennell geführt haben, um nochmal über die ganze Sache zu sprechen. Dabei wird vor allem betont, wie wichtig es für Communities wie die unsere ist, positive Beispiele hervorzuheben, auf dass wir uns alle beim nächsten Turnier daran erinnern, ein wenig so wie Alex zu sein. 😉 Diesen Gedanken unterstützen auch wir sehr gerne!

Link: Frontline Gaming

Link: Las Vegas Open

Link: Riot Games

Link: Warhammer Community

BK-Marcus

1994 mit Warhammer ins Hobby eingestiegen und seither so manches ausprobiert. Aktuelle Projekte: Herr der Ringe (Gefährten), Epic Armageddon (Eldar), Infinity (PanOceania), Warhammer (Slaanesh gemischt), nicht unbedingt in dieser Reihenfolge.

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Kommentare

  • Sehr interessant. Ich liebe so Szene News.

    Hoffe nur das Tony jetzt nicht dafür von Leuten ewig harassed wird.

  • Schön das gegen das Arschloch-Verhalten auf 40k Turnieren mal ein Zeichen gesetzt wird bzw. denjenigen das Karma einholt.

    • Schön wäre es, wenn insbesondere bei Nichtturnierspielen sich immer ein faires Miteinander ergeben würde.

      Habe die schlimmsten Spielerfahrungen nicht auf Turnieren, sondern bei Privatspielen gehabt.

      • Da ist man aber selber schuld wenn man mit solchen Leuten spielt. Da kann man seine Sachen packen und „Tschüss“ sagen. Beim Turnier muss man sie ertragen wenn man es nicht schmeißen will.

  • Spannend, ich hatte davon am Rande was mitbekommen weil es zu Diskussionen im Internationalen Infinity Forum geführt hatte, und jetzt mal alles schön zusammengefasst zu sehen ist wirklich interessant.

  • Man sollte Spiele wirklich nicht zu ernst nehmen und ich finde es auch toll, das Alex die Ruhe bewahrte und Tony sich entschuldigt hat. Einsicht ist der erste Weg zur Besserung. 🙂 Auch schön dass GW noch mal expliziet darauf hinweist, dass es um das Erlebnis und Spaß geht, nicht um das Gewinnen per se.

    • …oder mal ein erfreudiges Thema (Je nach Standpunkt)! Sportlichkeit und von mir ein ganz großes Daumen hoch an den „eigentlichen“ Gewinner und seine tolle Geste das Preisgeld für den Sportsmanship-Award zu spenden!

      Da gab es wohl dann endlich mal „richtige“ Sieger nach einem 40k-Tunier… das Kinderkrankenhaus!

      Tolle Story

  • Och, ich finde das nicht so „Murica“-mäßig. Beim kompetetiven Spiel (vor allem, wenn es um Geld geht) kann sowas schon passieren. Die Art, wie es gehandelt wurde, finde ich aber sehr sehr gut – für Alex ist es natürlich bitter, aber Hut ab, da so weitre zu machen. Tony wird es wohl die nächste Zeit recht hart haben.

    Für mich aber tatsächlich vollkommen unverstädlich, warum das Spiel nicht mit Schachuhr gzockt wird. Erinnere mich noch an 40k Turniere gegen 180 Orkboyz, die nie über Runde 3 hinaus gegangen sind. Mit Uhr wäre sowas nicht möglich, da jeder die Armee entsprechend anpassen müsste.Außerdem sorgt das doch für vollkommen verzerrte Ergebnisse wenn ein das Spiel nicht fertig wird, oder?

    • Strategiespiele mit Echtzeitlimit sind Spasskiller.
      Wenn jemand früh weg muss, ok, dann unterhält man sich vorher darüber ob die partie sinn macht oder nicht.
      40K ist ein Spiel, wie viele andere auch.
      Wenn man versucht es mit Schach zu vergleichen entgeht der massgebliche punkt den tabletop in spielerischer hinsicht prägt.. die tatsache dass gerade eben jeder spieler eine persönliche auswahl dessen treffen kann was sein team betrifft. Schach beinhaltet ein zwei absolut identische teams. Das schafft eine andere grundlage.

      • Der Vergleich hinkt,und wurde nur von Dir gemacht. Andere TT werden auch mit Uhr gespielt auf Turnieren.
        Es würde den Focus halt auf schnelle Eroberungen und First strikes legen, aber was ich so von WH40K mitbekomme (was nicht allzu viel ist, zugegeben) geht das Spiel sowieso seit längerem in die Richtung „Wer in Runde 1&2 am meisten Schaden macht, gewinnt“, oder?

      • Das ist aus meiner Sicht nicht ganz richtig.
        Ersten kann der Zeitrahmen in einer Weise gelegt werden, der das Spiel immer noch gut machbar hält. Anscheinend sind ja 2,5h für ein 40k-Spiel veranschlagt, also würde ich jedem der beiden Spieler 75 Minuten zuschreiben. In diesen 75 Minuten muss ich nun halt all meine Akivierungen durchbekommen – das ist aus meiner Sicht nur fair. Ansonsten artet es doch vielleicht so aus, dass ich gegen eine Massearmee spiele, die einen Großteil der Spielzeit mit Bewegung und ihren Schussphasen einnimmt, während ich als Gegenspieler weniger Zeit habe, darauf zu reagieren. Am Ende der 2,5h tickt die Uhr nun mal runter und wir können beide nicht weiterspielen. Das sorgt dann aber dafür dass mein Gegner nicht nur mehr Spielzeit hatte, sondern ich vielleicht auch die eine wichtige Schussphase nicht bekommen habe, die ich brauche, um die großen Trupps abzufrühstücken oder whatever.
        Du meinst, dass das meine persönliche Auswahl einschränkt – das tut aber das aktuelle Zeitlimit auf Turnieren auch. Wenn ich eine Armee aufstelle, die sehr stark auf das Late Game setzt (ich hatte zum Beispiel mal eine Eldar-Armee, die sehr stark auf verweigern bzw. Binden gespielt hat, um dann am Ende durch Panzerschocks Missionsziele einzunehmen), muss ich mich fragen: Kommt es überhaupt so weit? Wenn viele Spiele schon in Runde 2 oder 3 enden, mag das eventuell gar nicht funktionieren. Also müsste ich eine andere Armee aufstellen und andere Modelle mitnehmen – die Spieldauer beeinflusst also immer meine Armeekomposition. Und entsprechend würde es das ein fairer verteiltes Zeitlimit auch tun. Nur eben fairer verteilt.

        Zweitens gibt es Tabletops, die die Schachuhr einfach schon grundlegend eingebaut haben, Warmachine/Hordes und Guild Ball sind da (aus meine Sicht positive) Beispiele. Die Aussage „40k ist ein Spiel, wie viele andere auch“ verstehe ich nicht ganz, aber wenn du meinst, dass solche Spiele mit Zeitlimit nicht funktionieren, denke ich eben, dass das nicht stimmt. Ein Spiel in der benötigten Zeit „runterzuspielen“ ist dann halt als eine Siegesbedingung formuliert (Warmachine), bzw führt eine Zeitüberschreitung (bei Guild Ball) dazu, dass mein Gegner mehr Punkte bekommt.

      • „Strategiespiele mit Echtzeitlimit sind Spasskiller.“

        Und es ist kein Spaßkiller, wenn ich als Gegenspieler nicht einmal die Möglichkeit habe meinen dritten Zug zu spielen?
        Spaß, ja, immer gerne. Aber wir reden hier von einem Wettbewerb (Turnier) mit einem nicht unerheblichen Preisgeld und live-Übetragungen bei Twitch. Der just-for-fun Sektor wurde damit seit längerem verlassen.

      • „Strategiespiele mit Echtzeitlimit sind Spasskiller.“

        Nein, sind sie nicht, weder im Bereich TT noch RTS/MOBA.

        Ein weiches Zeitlimit wie eine bestimmte Rundenanzahl funktioniert am besten in privaten Spielen, auf einem Turnier hat eine Partie in einem bestimmten Zeitfenster abzulaufen, allein um den Ablauf nicht aufzuhalten.

        Ein hartes Zeitlimit ist einfach ein weiterer Faktor, den man in der Armeekomposition und im Spiel berücksichtigen muss.

        Kann man natürlich parallel als Spiegelung des Chaos auf dem Schlachtfeld auslegen oder als Peitsche für Spieler, die gerne jede einzelne ihrer 100 Miniaturen optimal positionieren und einsetzen oder einfach Zeit schinden wollen, um ihren Punktevorsprung nicht zu verlieren.

      • Ich wollte euch nicht noch mehr Text um die Ohren hauen, daher habe ich mich auf den Vorfall konzentriert, der hier am „wichtigsten“ war.

        Tatsächlich ist es aber so, wie hier einige sagten: Das Fehlen von Schachuhren wurde von vielen bemängelt und leider gab es wirklich wohl eine ganze Menge Spieler, die absichtlich und auf offensichtlichste Weise „slow play“ gemacht haben, also ewig für ihre Züge gebraucht haben, damit es gerade nicht zu den späteren Spielzügen kommt.

        Wenn ich das richtig verstanden habe, waren das vor allem Eldar-Armeen und Imperiale Massenarmeen, die zu sowas führten, was sicher auch damit zu tun hat, dass Ynnari das Turnier unfassbar dominiert haben, da hat scheinbar noch keiner einen Counter für. Jedenfalls, meinem Eindruck nach ist das Problem da, dass diese Armeen in den frühen 1-3 Runden des Spiels sehr harte Schussphasen raushauen und mit Masse Missionsziele pushen, viele der kleineren und nahkampforientierteren Armeen aber gerade in den ersten Runden noch nicht so viel reißen, und gegen Ende, wenn dann alles in ein feines Gemosche ausartet, trumpfen können.

        Das zu verhindern, indem man super-langsam spielt, ist weder für den Gegenspieler noch die Zuseher auf Twitch schön, und da gab es viel und laute Kritik dafür.

        Ich glaube, ein Problem war aber auch, mal eben 237 Schachuhren nur für dieses eine Turnier (geschweige denn die vielen anderen Turniere auf dem Event) anzuschaffen.

        Persönlich fände ich da aber auch den Einsatz von Schachuhren gut. Wer eine chillige Bier-und-Brezel-Runde haben will, sucht die sicher nicht auf einem großen Turnier, und für mich gehört es auch zum guten Ton, dass ich nicht meinen Gegner, geschweige denn etwaige Zuseher, damit langweile, dass ich ewig brauche. Es ist meine Verantwortung, die Regeln im Griff zu haben, und es ist auch meine Verantwortung, nicht jede Kleinigkeit haarklein nachzumessen und überall noch die kleinste Optimierung aus der Position der Truppen zu holen.

        Das war auch in Freundschaftsspielen im Freundeskreis immer wieder mal Thema, wenn jemand bei Guild Ball eine halbe Stunde (literally!) über seinen Spielzug gegrübelt hat und hier und da und dort nochmal ne Möglichkeit ausgemessen hat, oder wenn bei Infinity das „slicing the cake“ und ähnliche Pingeligkeiten aus Spielzügen homerische Epen gemacht haben.

        Das wiegt dann den „Spielspaßverlust“ durch Zeitdruck locker auf der Gegenseite auf.

      • „Ich glaube, ein Problem war aber auch, mal eben 237 Schachuhren nur für dieses eine Turnier (geschweige denn die vielen anderen Turniere auf dem Event) anzuschaffen.“

        Hmja…ich denke, es wäre ausreichend und nachvollziehbar, wenn z.B. ab dem Achtelfinale die Schachuhr an der Platte steht.

  • Um Geld zu spielen und dann die Regeln nicht ernst nehmen schließt sich meines Erachtens aus. Ich finde das ganze ziemlich verlogen. Der Fehler war am Anfang nicht zu definieren was den „Gentlemanstil“ ist – dem anderen beim Messen helfen ? Seine Figuren bewegen ?. Ach Regeln ernst nehmen plötzlich dann nicht mehr ? Ich verstehe völlig den Spass am Fluffspiel und spiele selber auch eher gerne fluff (aber kein 40k). Aber wenn das ganze einen Sportlichen Anstrich hat und als Anreiz plötzlich um Geld gespielt werden soll muss es Grenzen geben – sonst kann man das Geld gleich per W6 auswürfeln…. Und dann das ganze als Public Shaming aufzuziehen finde ich ganz gross…. Und daraus dann ne Werbeaktion zu ziehen finde ich richtig miess… Diese Art von Doppelmoral hat für mich im Hobby nicht viel zu suchen

    • Seh ich nicht so. Das war einfach ein totaler Dickmove. Hätte nichts geändert, wenn er die Bewegung nachgeholt hätte.
      Ob nun erst DS dann move oder andersrum.

      Karma hat zugeschlagen. Top.
      Solche Spieler braucht man echt nicht.

    • Bei einem Spiel zwischen Gentlemen heißt das nicht, dass Regeln nicht ernst genommen werden. Es heißt nur, dass man dem Gegner vertraut und dass man den Mitspieler auch mal Fehler korrigieren lässt, solange er sie zeitnah bemerkt – zumindest, wenn er sie das erste Mal macht.
      Es ist, gerade auf einem Turnier, auch nicht verwerflich, wenn man diesen Modus nicht will, aber wenn man ihn akzeptiert, wie es hier beide Spieler getan haben, dann ist es eben unsportlich, dagegen zu verstoßen. Von daher kann ich den Unmut aller hier verstehen.

      Wenn zu prestigeträchtigen Trophäen wie einem Treppenplatz bei solch einem Turnier auch noch ein hohes Preisgeld kommt, ist der Siegeswillen natürlich umso größer. Da wird es schnell mal verbissen. Von daher lehne ich z.B. Turniere mit höheren Preisen für mich ab.

    • Stimme dir gundsätzlich zu, Banshee: wenn man Dinge erst definiert / die Standpunkte klar macht / sich einigt, entstehen auch nicht die ganzen Probleme. Das trifft auch ganz grundsätzlich auf Zwischenmenschliches und im größeren Zusammenhängen auf das Leben an sich zu.
      Nur im Praktischen funktioniert das meist nicht, da man sich nicht die Zeit nimmt oder eben doch von unterschiedlichem ausgeht und es nicht wirklich klärt. So gibt’s eben Rahmen, die das nicht wirklich zulassen. Insbesondere, wenn man auf so einer Veranstaltung mehr oder weniger improvisiert. Allerdings, heißt es hier, man habe sich darauf geeinigt, großzügig zu spielen. Es geht weniger um’s messen helfen. Und es geht ja nicht mal um irgendwas entscheidendes wie taktische Vorteile durch Störung des Ablaufes, Reichweitenveränderung, Wertebeeinflussung etc. Und Alex soll Tony ja auch erlaubt haben in seinem Ermessen zu stellen etc. Da ist es absolut unmöglich auf so einem bürokratischen Unsinn zu beharren.

      Letztlich sollte man sich mal fragen, was denn die Materie des Wettbewerbs ist. Misst man sich hier in Winkelzügen, Spitzfindigkeiten, Taschentricks, Haushalterei? Geht es nun um das Spiel auf dem Tisch oder um irgend zwischen den Spielern? Soll aufgrund von einem geringfügigen Flüchtigkeitsfehler soetwas entschieden werden? (Und hier geht es bloß um eine reine Verfahrensangelegenheit, die keine Auswirkung gehabt hätte.)

      Und, natürlich mag es im „legalen“ Recht liegen, doch ethisch gesehen absolut disqualifizierend. Umso traurigerm mwenn sich jemand so verhält, der das normalerweise nicht macht. Der hötte das ja auch noch im Moment dann zurückziehen können. Aber gut, wenn er es eingesehen hat. Weniger gut, wenn es aufgrund des Drucks von außen geschehen wäre.

      Was für ne Werbeaktion denn? Wenn GW oder sonstwer sich damit profilieren wollte, wäre das schade. Doch man kann ja mal die positiven Seiten daran in deen Vordergrund stellen: dass Zeichen für freundlichen Umgang mit einander gesetzt werden und dass aus sowas etwas erwachsen kann, das Hilfsbedürftigen zugute kommt.

  • Danke für die interessante Zusammenfassung. Tolle Geschichte, bei der es mich am meisten freut, dass die Aktion so viel Feedback und Engagement nach sich gezogen hat (Spende vom Fan, Spende vom Arbeitgeber, Spende von GW,…). Sehr, sehr cool!

  • Abgesehen von der sehr schönen Zusammenfassung von Marcus: Ich mag GWs Cartoon-Zeichnungen für den Community-Bereich total. Die sind super!

    Die Aktion selbst finde ich gut. Hat wenig mit Shaming zu tun. Wenn man das ganze Geschehen halt genau verfolgt hat, wird klar, dass es nicht um Regelkenntnis geht. Tony provoziert den Fehler und nutzt ihn dann aus. Für ein kompetetives Spiel erwarte ich, dass es auf dem Spielfeld entschieden wird. Nicht mit so nem Mist. Das ist für mich, als würden am Spielfeldrand beim Football demnächst die Cheerleader blank ziehen, damit die gegnerische Defense Line abgelenkt ist. War einfach unsportlich, daher die Strafe gerechtfertigt. Und wenn man sich nach der Unsportlichkeit auch weiter wie ein Arsch aufführt, dann muss man auch Konsequenzen tragen können.

    Zudem geht es nicht ums Shaming von Tony, sondern ganz im Gegenteil um die Hervorhebung von Alex‘ Herangehen. Da können sich viele ne Scheibe von abschneiden. Denn in der Situation so ruhig zu reagieren kann nicht jeder. Ich weiß, dass ich da meine Mühe hätte. 🙂

  • Ein schöner Bericht. Als jemand, der nun annähernd 20 Jahre Warhammer spielte, haben mich stets die Mehrheit der „Turnierspieler“ abgeschreckt. Unhöflich, arrogant und bisweilen aggressiv vermittelten sie selbst auf den regionalen Turnieren bei uns in Bielefeld als auch bei Privatspielen eine Atmosphäre, wie ich sie für unangenehm hielt. Umso schöner, dass man ein deutliches Zeichen gegen so eine Attitüde gesetzt wurde.

      • Ich verstehe das nicht. Bei Privatspielen kenne ich doch mein Gegenüber oder beende unangenehme Partien um dann nicht mehr gegen diese Person zu spielen. Also ich kann mir meine Mitspieler aussuchen! Auf einem Turnier geht das nicht und ich musste leider auch die Erfahrung machen, dass ich mit Turnierspielern nichts anfangen kann. Aber genauso konnten die Turnierspieler mit mir nichts anfangen. Da fehlt dann einfach die Herausforderung wenn ich immer nur nach Lust und Laune die Armee zusammen stelle.

      • Sicherlich kennt man seine Stammmitspieler.

        Aber man spielt ja auch mal gegen neue Leute.

        Und hier ab ich sehr abstruse Situationen erlebt (kurze Auflistung):

        a. Person sagt während des Spiels, dass bestimmte Regeln des Spiels hier nicht gelten.Dazu unzählige Hausregeln, die spontan benutzt werden ohne vorher kommuniziert zu werden (z.B. Riese erschlage, die Miniatur wird hingelegt und zählt als unpassierbares Gelände, was der Spieler nutzen wollte um seine Ballerburg mittels zwei toten Riesen narrensicher zu machen)
        b. Person sagt man spielt Funarmeen und kommt mal mit einer extremen Netzliste, mal mit einer Schrottliste (spieltechnisch), Armeen jeweils ohne Zusammengehörigkeit
        c. Person und ich haben ein normales Spiel, ohne irgendwelchen Vorkommnisse, zumindest für mich. Später erfahre ich, dass diese Person irgendwelche erfundene Sachverhalte an andere Personen weitergibt, was dazu führt, dass mich eine lokale Spielgruppe ignoriert, wenn ich einen Spielwunsch äußere

        Im Gegensatz dazu habe ich bei Turnieren den Vorteil, dass ich vorher weiß, welche Regeln gelten, wieviele Spiele ich spielen werde. Wie hart man spieltechnisch auf einem Turnier spielen möchte, ist jedem selbst überlassen. So spiele ich gerne eine gute, aber keine ausgereizte Liste, um mich fordernde Spiele zu haben. Auch das Spielen einer „Luschenliste“ kann Spaß machen, um einfach zu sehen, wie weit man damit spielerisch kommen kann.

        Sicherlich gibt es auch auf Turnieren schwarze Schafe, die sind aber meistens bekannt, so dass man diese handhaben kann. Relevant ist hierfür aber eine gute Regelkenntnis, etwas, was gerade im privaten Bereich teilweise nur bedingt vorhanden ist.

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