von Burkhard | 18.10.2013 | eingestellt unter: Historisch, Tutorials

Tutorial: 6mm Armeen bemalen

Mancher wird sich bei der Überschrift die Frage stellen, wieso man überhaupt 6mm Armeen besitzen sollte. Sie sind klein, kaum detailliert und man mich schon fast mit dem Gesicht auf dem Spielfeld liegen um überhaupt etwas erkennen zu können.

Am Anfang war ich da ähnlich skeptisch, bin inzwischen aber ein Fan dieses Maßstabes geworden, auch wenn auch hier die Brückenkopf-Krankheit einmal mehr zugeschlagen hat: Ich habe zwar Armeen, aber noch nie ernsthaft gespielt!

6mm Armeen haben einen entscheidenden Vorteil zu 15 oder 28mm Heeren: Sie sind viel kleiner! Das schlägt sich in allen Bereichen des Spieles selbst nieder.

  • Die Armeen sind viel günstiger, so zahlt man für eine vollständige Armee z.B. beim 6mm Anbieter Bacchus nur 40 bis 50 Pfund.
  • Die Armeen brauchen viel weniger Platz
  • Das Spielfeld kann viel kleiner gewählt werden (50x50cm reichen schon aus!)

Und zuletzt:

  • Die Bemalung ist viel einfacher als bei größeren Armeen!

Gerade letzerer Punkt mag erst einmal verwirren, aber machen wir uns nichts vor, 6mm ist wirklich, wirklich klein, es gibt keine Details wie Augen, Diamanten oder Waffenläufe die man ernsthaft „versauen“ könnte. Meine Bemalanleitung ist dementsprechend einfach gehalten, trotzdem dürfte am Ende eure 6mm Armee auf dem Spieltisch gut aussehen!

Ich habe mich dazu entschieden – nein, kein Epic 40k, sondern meine 6mm Kelten zu bemalen, da meine Römer bereits fertig sind und ich – wie man das so machen sollte um Spieler zu gewinnen – gerne zwei Spielbereite Armeen hätte. Als System verwende ich DBA für 6mm.

Die Armeen in diesem Maßstab haben einen weiteren Vorteil den ich oben gar nicht benannt habe: Sie werden normalerweise nicht mit Figuren, sondern mit Trupps gespielt, d.h. eine Base ist eine Einheit, wird aber wie ein Modell behandelt. So lassen sich tatsächlich hunderte Kämpfer in die Schlacht führen, anders als z.b. bei Warhammer oder 40k, wo die „epischen Schlachten“ bei genauer Betrachtung doch eher lächerlich kleine Scharmützel sind.

Gleichzeitig zu den 6mm Modellen habe ich noch eine Einheit prätorianischer Sniper bemalt, damit ihr den Vergleich zu 10mm Modellen ziehen könnt. 15mm Armeen besitze ich leider keine, dafür habe ich die 28mm Figur eines viktorianischen Zivilisten von Ironclad Miniatures dazugestellt.

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Nachdem die Modelle auf ihre Bases geklebt wurden, habe ich sie zuerst Weiß grundiert. Im nächsten Schritt wurden die Grundfarben bemalt. obwohl die Einheit am Ende in Doppelreihe stehen würde, wurden sie zur Bemalung nur in Einerreihen aufgeklebt – so kommt man einfach viel besser an Vorder- und Rückseite der Truppe. Für die 10mm Figuren verwendete ich ein dunkles Braun, da die Sniper auf dem Boden getarnt sein sollten, für die Kelten nahm ich einfach eine wilde Mischung verschiedener Farben, die es vielleicht (vielleicht auch nicht) damals gegeben haben könnte. Zuerst bemalte ich die Krieger selbst, danach die Schilde. Während die Kleidung in erdigen Farbtönen gehalten wurde, habe ich mich bei den Schildern für knallige Farben entschieden.

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Freehands kommen in dem Maßstab nun wirklich nicht in Frage, also soll die Armee alleine durch ihre bunten Schilderreihen wirken und sich so z.B. von den extrem uniformen Einheiten der Römer unterscheiden. Wie man auf dem Detail-Detail-Detailbild erkennen kann, sind die Grundfarben bei weitem nicht pingelig aufgetragen. Aber keine Sorge, es ist fast unmöglich hier nicht über die Kanten zu malen. Das ist auch gar kein Problem, wie man im nächsten Schritt sehen wird.

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Im nächsten Schritt gibt es nämlich eine ordentliche Portion Wash. Nachdem das Nonplusultra Badab Black inzwischen nicht mehr zu kaufen ist, kann man dazu ein entsprechendes pendat von Vallejo oder Armypainter nehmen. Ich verwende btw. bei 6mm Armeen ausschließlich schwarzes Wash. Die Modelle sind so klein, dass extreme Kontraste einfach die schnellste und einfachste Möglichkeit sind, den Einheiten Tiefe zu geben. Abschattieren, Blenden oder ähnliche Techniken sind ja überhaupt nicht anwendbar. Gleichzeitig spart es Arbeit: mit dem großen Pinsel einmal von oben bis unten drüber und fertig!

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Einmal dem Wash beim trocknen zusehen…

Nach der Trocknungsphase habt ihr gleich mehrere Dinge erreicht: Zum einen ist die Farbe abgedunkelt und ihr könnt mit der ursprünglichen Farbe aufhellen (also z.B. Army Green mit Army Green aufhellen), ohne dass ihr Farben mischen, oder die passende, hellere Farbe kaufen müsst. Zum anderen erkennt ihr durch die harten Schatten vielleicht Details, die vorher verloren gegangen waren. In meinem Fall war ich wirklich erstaunt, dass die Infanterietruppen alle Bärte haben. Und das bei 6mm. Wie awesome ist das denn?! Bei Reiterei könnt ihr so herausfinden, wo das Zaumzeug verläuft und bei Streitwägen eventuelle Verzierungen entdecken. Zuletzt läuft das Wash in die Ritzen und Ecken und verdeckt so Stellen, welche ihr mit dem Pinsel nicht erreicht habt, oder wo ihr über die Kanten gemalt habt.

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Photographieren am Limit! Wer erkennt die Bärte in den Gesichtern?

Natürlich verschwinden nicht alle Malfehler, aber dafür habt ihr ja die Möglichkeit, die einzelnen Figurenteile mit der exakt gleichen Farbe, die ihr im vorherigen Schritt abgedunkelt habt wieder aufzuhellen und so Fehler an Waffen, Schildern oder der Kleidung auszugleichen. „Inhaltliche“ Fehler fallen sowieso kaum ins Gewicht. Dass ich bei der Einheit statt Speeren eher Alurohre in die Hand gegeben habe, weil ich in einem Anflug geistiger Umnachtung Speere nicht mehr von Schwertern unterscheiden konnte und sie somit silbern bemalte, fällt auf Tischhöhe nicht auf. Detailbemalungen beschränken sich auf die gut zugänglichen Stellen an den Schilden, auch hier wurde wieder mit knalligen Farben gearbeitet und abgesehen von einer Grundfarbe nichts weiter getan.

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Die Bases der Modelle habe ich mit der gleichen Techik bemalt, mit der ich auch Bases für 28mm Armeen produziere (vor zwei Jahren hatte ich HIER mal ein Tutorial dazu veröffentlicht). Wichtig ist eigentlich nur, dass bei 6mm großen Figuren  Grasstreu dementsprechend weniger Gras, als vielmehr Brusthohes Gestrüpp ist. Hier sollte man also wirklich feinen Sand verwenden (außer es geht um Geröllboden), kann durchaus über komplett grasfreie Bases nachdenken oder schummelt – wie ich – mit Schneestreu, da sich das besser an die niedriger Höhe von 6mm Armeen anpassen lässt.

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Ich hoffe ich konnte euch einen keinen Anstoß geben sich auch mal mit wirklich kleinen Armeen auseinander zu setzen und dem einen oder anderen vielleicht auch die Angst vor so einem kleinen Maßsta zu nehmen. Bacchus bietet immer wieder tolle Deals zu den verschiedensten historischen Epochen an, das Regelset DBA ist zwar nicht mehr das neueste, aber kostenfrei, durchaus solide, eingängig und so gut erweiterbar, dass auch Massenschalten mit hunderten Kämpfern nichts im Wege steht!

Burkhard

Brückenkopf-Maskottchen, Todesrennen-Rennleiter und Aushilfsbespaßer. Im Zweifelsfall mit irgendeinem Diorama beschäftigt.

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Kommentare

  • Lustig. Bei mir steht eine ACW-Armee an. Für Kugelhagel. Würde da ansich gern mit Army Painter Dipp dran gehen, weil es mMn der beste Schutz für die Modelle ist. Geht das oder ist das Zeug zu zäh für die Knirpse?

  • Hätte ich dieses Tutorial vor rund 2 Jahren gehabt hätte ich meine Nordstaatler für ACW vielleicht doch mal fertiggestellt 😉 Leider war mir der Maßstab damals doch ZU klein..

  • Schoenes Tutorial und Inspirierung mal was Kleineres zu starten. 🙂
    Erinnert mich dran, dass ich auch noch irgendwo von zvezda ne persische Armee in 20mm mit gut 200 Soldaten und 40 Reitern liegen habe. K.A. ob ich die jemals fertig kriege, aber bei 20eur konnte ich nicht widerstehen.. 😀

  • 6mm sind schon winzige Minis.
    Für DBA nehme ich 15mm – da kostet eine Armee (je nach Volk) dann auch zwischen 40-60€ plus Versand und Zoll.
    Den Vorteil von 15mm sehe ich klar darin, dass man noch was erkennt und man sich auch lustigerweise beim Bemalen Mühe geben kann. Gerade bei Kelten, Römern und Germanen kann man sich wunderbar an den Schildern austoben. Nur bunt ohne Verzierung wie bei den 6mm wäre mir etwas zu schlicht.
    Zudem: 15mm-Armeen nehmen immer noch nicht wirklich Platz in der Vitrine weg. 🙂

    Danke dir auf jedenfall für das schöne Tutorial!

  • Gab es da in 6mm nicht sogar auch mal was von GW? Das war doch „Battle of Five Armies“ mit Starterarmeen der Zwerge, Elfen, Menschen und Orks/Goblins. Konnte ich vor ein paar Jahren aber selbst auf ebay nicht mehr kriegen. Echt schade, dass das eingestampft wurde… 🙁
    Weiß vielleicht einer wieso?

    • Von GW gab es nur Epic 40k / Epic Armageddon) im 6mm Maßstab. Fantasy war Warmaster bzw. Battle of Five Armies als Box im 10mm Maßstab. Warum das eingestampft wurde mußt Du GW fragen (als Antwort bekommst Du vermutlich sowas wie „konzentration auf das Kerngeschäft zu hören). Alle Specialist Games (dazu zählten neben den oben genannten auch Mortheim, Necromunda, BloodBowl) wurden schon vor vielen Jahren nicht weiter unterstützt – aber es gab die Minis noch zu kaufen. Auch das ist ja nun vorbei.

      • Also von GW gab is 6mm Maßstab Space Marne, Titan Legoins, Space Marine 2, Epik 40k und Epic Armageddon wenn ich nicht irgendwas vergessen habe. Ein Zeitlang war Epic/Space Marine sogar populärer als 40k, zumindetens in UK. Aber das schon länger her.

        Für die Epic Miniaturen gibt es inzwischen in den meisten Fällen Proxies. Und Regel und Armeelisten werden ständig aktualisiert.
        Für Epic empfehle ich dieses Forum:
        http://www.tacticalwargames.net/

        Sonst könnte man hier noch ne Menge Regelwerke nennen die sich hervorragend bespielen lassen. Egal mit welchen Minis.

        Bei Epic sind 2 Regelwerke immo verbreitet:
        Einmal NetEA eine Community erweiterung von Epic Armageddon die in der Englische Tunierszene verwendet wird (Die Franzosen nutzen die selben Regeln aber andere Armeelisten für irhe Tuniere) und NetEpic was eine weiterentwicklung der Spoace Marine 2 Regeln darstellt.

        http://www.net-armageddon.org/ hier gibts alle Armeelisten und Regeln in einem PDF.

        http://www.netepic.org/ hier die Regen zu Netepic.

        Eine Liste mit den belibtesten Systemen
        http://www.tacticalwargames.net/taccmd/viewforum.php?f=99&sid=469da1042e614ee260c777d96cc0a0b3

        Eine Liste mit 6mm Anbeitern reiche ich nach.

      • Beim Battle of the five Armys dürfte das wohl eher daran liegen das GW für den Hobbit lieber auf die Filme eingeht und 28mm Minis verkauft. Wer weiß wie die Schlacht nach den Hobbit Filmen aussieht.

    • Erklärung: Kinder können kleine Maßstäbe nicht bemalen und Kinder sind das Hauptpublikum von GW

      Aber Epic Armageddon ist das einzig wirklich gute und anspruchsvolle Spiel/Regelwerk, das GW rausgebracht hat.

      • Ich spiele aktiv sowohl Epic als auch Warmaster und Warmaster ist im Vergleich sehr versimpelt worden. Am Ende kommts auf die Kommandowürfe an, wer da mehr Glück hat gewinnt auch meist. Bei Epic kommts auf mehrere Faktoren an.

  • Beim bemalen von 6mm-Minis muss man sich eigentlich nur klarmachen, dass man nicht das bemalt, was da ist, sondern das, was der Betrachter sehen soll 😉

  • Schönes Tutorial, aber:

    Ich würde deutlich flachere Basen benutzen. Deine Stärke wäre bei 15mm schick, aber bei 6mm bitte sehr dünne Plastik-Card verwenden.

    Cheers

    • Die Bases sind die, die Bacchus mir damals mitgeliefert hatte. Am Anfang fand ich die auch unpassend, inzwischen gefallen sie mir aber sogar ganz gut, da man bei den Einheiten so problemlos immer die Bases anfassen kann und nicht die Miniaturen selbst, so verbiegt sich nichs oder reibt sich an Farbe ab. Ist aber sicher Geschmackssache…

  • Danke für das Tutorial. Wenn ich nicht das gleiche Problem hätte wie du, nämlich keine Mitspieler zu finden, wäre ich schon längst Black Powder in 6mm am spielen. 🙂
    Auf der Bacchus Homepage gibt es auch noch ein etwas anderes Tutorial für 6mm Minis. Da wird nicht gewasht sonder erst dunkel grundiert und dann nur die erhabenen Stellen bemalt.

  • In irgendeiner Kiste habe ich auch noch diverse antike 6mm-Armeen von Bacchus herumliegen. Karthager, Römer und Macedonier für DBA waren das glaub ich. Ist leider auch nie fertig geworden, zweifarbig+Wash kann man da aber schon malen 🙂

  • 6mm ist mein Lieblingsmaßstab für TT, nicht nur weils großartige Minis gibt sondern weil damit einfach Raum für echte Truppenbewegung bleibt bei gleicher Tischgröße. Und nicht wie bei WHF, wo der geniale Flankenangriff eine 30° Drehung und ein Vorwärtsmarsch ist….

  • Für Massensysteme finde ich 28mm auch ungeeignet. Bewegung sollte ein wichtiges taktisches Element sein und gut dargestellt sein. Das ging schon bei Ringkrieg in die Hose. Kleinerer Maßstab = besser. Allerdings würde ich nicht unter 10mm gehen. Ist einfach nicht mehr so richtig was fürs Auge.

    Naja, ich spiele kein solches System.

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