von Gregor | 03.10.2012 | eingestellt unter: Heroische Intervention

Heroische Intervention: Die historische Intervention

Da es hier um ganz persönliche Ansichten rund um das schönste Hobby der Welt geht, erheben wir natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Objektivität und Gemeingültigkeit. Ihr seid gewarnt! (Anm. der Redaktion)

Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so eine Begeisterung für ein neues System erlebt habe. Einige Leute kauften sich gleich mehrere Fraktionen und bemalten diese in Windeseile. Der Händler vermeldete, dass schon am Tag der neuen Lieferung gleich wieder ein guter Teil des Sortiments ausverkauft war. Das, was mich dabei aber wirklich überrascht hat, ist der Umstand, dass es sich dabei um ein historisches Spielsystem handelt. Man könnte sogar sagen, dass die historischen Systeme zuletzt auf dem Vormarsch waren. sie intervenierten im Wettstreit der phantastischen und futuristischen Systeme. Wir haben es also mit einer historischen Intervention zu tun. Das klingt auch gleich erstmal viel wichtiger und bedeutsamer. Wenn ich mich weit aus dem Fenster lehnen wollen würde, könnte ich jetzt einen fragwürdigen Vergleich heranziehen, in der die Mondlandung eine wesentliche Rolle spielt, aber lassen wir das…

Mit Flames of War setzte sich in Deutschland
flächendeckend ein historisches System durch
.

…und blicken lieber etwas weiter zurück in die Vergangenheit. Lange Zeit fristeten die historischen Spielsysteme ein Schattendasein innerhalb der deutschen Tabletop-Szene.  Sie waren unbekannt und kaum jemand schien sie zu vermissen. Dann kam Flames of War. Und das neuseeländische System zeigte gerade uns Deutschen erst einmal, warum es gut sein kann, keine historischen Systeme zu spielen. Polo-Hemden mit Hakenkreuzen und andere Geschmacklosigkeiten warfen ein sehr fragwürdiges Licht auf diese Sub-Szene. Insgesamt musste man sich ja ohnedies fragen, ob man reale Gewalttaten – unabhängig von dem, der sie ausgeübt hat – unbedingt nachspielen will. Sollte man nicht besser bei fiktiven Welten und somit auch fiktiver Gewalt bleiben?

An dieser Stelle fühlte ich mich oft an mein Studium erinnert. Ich nahm an einem Seminar teil, in dem es gerade um das biblische Buch Josua ging. Ort wird ausgesprochen bildgewaltig und brutal die Landnahme der Israeliten beschrieben. Der Professor fragte mich, was ich denn einem Schüler antworten würde, wenn er die Frage stellte, wieso die Israeliten von Gott zu so einer Gewaltorgie angestachelt werden. Ich überlegte kurz und sagte dann: „Naja, das ist ja nicht wirklich so passiert.“. Mein Professor entgegnete: „Hervorragend. Die Israeliten haben sich ihre Bluttaten also nur ausgedacht. Schön. Dann ist Gott also immer noch nett, aber was sollen wir denn von Leuten halten, die sich so etwas ausdenken?!“

Okay, etwas weit hergeholt, aber es sollte klar sein, was ich meine.  Ob ich auf dem Spieltisch nachstelle, wie Wikinger ein Kloster plündern, ist in der Sache erst einmal die Nachstellung einer Überlieferung. Vom moralischen Gesichtspunkt aus her dürfte sich das kaum von ein paar Orks unterscheiden, die ein Bauerndorf niederbrennen. Ich denke, über die Spieler dürfte das recht wenig aussagen. Gewalt ist in beiden Fällen im Spiel. Real ist sie in beiden Fällen nicht. In einem Fall ist sie historisch, im anderen im weitesten Sinne literarisch fixiert worden.

Mit Warhammer Ancient Battles lieferte Games Workshop der Konkurrenz lange einen Grund,
Miniaturen auf den Markt zu bringen.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Nach Flames of War war es lange eher ruhig um die historische Sub-Szene, aber dann kam der nächste große Sprung. Im Jahr 2007 vollzogen sich gleich mehrere große Innovationen. Zum einen strömten mehrere neue Firmen auf den internationalen (und damit auch deutschen) Markt, die versucht waren, möglichst viele ihrer historischen Modelle direkt in die Läden zu platzieren. Zum anderen taten sie dies mit verdammt preiswerten Plastikbausätzen, von denen man in anderen Bereichen des Hobbys bis dato nur träumen konnte. Dem durchschnittlichen deutschen Spieler fiel allerdings erst einmal nicht ein, was er mit den günstigen neuen Plastik-Figuren anstellen sollte und so las man nicht selten hier auf dem Brückenkopf immer die gleiche Frage: „Kann man die auch für 40k benutzen?!“

Dabei gab es bis dahin auch in Deutschland schon kleine Spielergruppen, die sich mit historischen Systemen befasst hatten und nun günstig Modelle erstehen konnten. Platzhirsch hierzulande im Bereich 28mm war lustigerweise der historische Ableger von Warhammer Fantasy, namentlich Warhammer Ancient Battles. Zwar war hier nie der Abstand zur Konkurrenz so groß, aber für dieses System konnte man noch relativ leicht Mitspieler finden. Doch nun zogen andere nach und warfen neue Regelwerke auf den Markt – zunächst mit bedingten Erfolgen. In Deutschland wurden sie kaum wahrgenommen.

Anfang des Jahres 2012 kam allerdings eine neue Dynamik ins Spiel. Eine aus der Not geboren sozusagen. Warhammer Historical wurde ohne lange Vorankündigung von Games Workshop eingestampft. Eine marktwirtschaftlich gute Idee, denn durch die vielen neuen Firmen und Plastik-Modelle hatten die Hersteller historischer Modelle zunehmend Druck auf den Marktführer aufgebaut. Games Workshop produzierte aber nur Regeln für historische Modelle und das Geld machen eben die, die Modelle verkaufen. Von heut auf Morgen standen also viele Figuren-Schmieden ohne Regelsysteme dar und folglich drohte ihnen die Kundschaft wegzubrechen. Zuletzt wurden wir aber mit innovativen, dynamischen – man muss schlich sagen: modernen – Regelsystemen für historisches Wargaming überhäuft: War and Conquest, Clash of Empires, Saga, Muskets and Tomahawks, Bolt Action und womöglich in einigen Monaten auch noch Deus vult. Diese Masse an Regelwerken ging auch nicht spurlos am deutschen Markt vorbei. Bolt Action und Saga verkaufen sich in Deutschland so gut, dass es gar nicht mal so schwer ist, dafür Mitspieler zu finden.  Ferner findet man schnell Einzelhändler und freilich auch deutsche Online-Shops, die entsprechende Produkte im Sortiment haben. Am Bahnhof kann man inzwischen sogar zuverlässig eine Zeitschrift zum historischen Wargaming – die niederländische Wargames, Soldiers and Strategy – erwerben. Wer hätte das vor ein paar Jahren erwartet?


War and Conquest könnte in die Fußstapfen von WAB treten…

Auch die Epochen-Abdeckung hat schwindelerregend zugenommen. Im Jahr 2013 wird man mittel- und westeuropäische Armeen aller mittelalterlichen Epochen komplett aus Plastik aufstellen können. Armeen des 2. Weltkriegs, des amerikanischen Bürgerkriegs, der Spätantike und des antiken Griechenlands wird man zumindest zu großen Teilen aus Plastik bekommen. Eine Rank-and-File-Armee in spielbarer Größe für etwa 100 Euro wäre damit durchaus realistisch.

Und was machen die fiktiven Systeme? Nun, zuletzt schmoren die doch sehr in ihrem eigenen Saft. Schaut man sich die Produkte von Spartan Games an, so kann man das sehr gut erkennen. Der Fantasy- und der Sci-Fi-Ableger des Flottenkampfs spielen kaum eine Rolle, während die Version zur alternativen Geschichte sehr gut angenommen und von der Firma auch am besten unterstützt wird.
Im Rank-and-File-Bereich hat zuletzt nur Mantic versucht, GW den Rang abzulaufen, dabei aber im Effekt jetzt nicht wirklich ein überragendes Alleinstellungsmerkmal abgeliefert. So richtig ablösen kann Kings of War Warhammer Fantasy wohl nicht, auch wenn es eine brauchbare Alternative darstellt. Dass dort aber nur wenig Innovation zu erwarten ist, konnte man sehr gut an Warpath sehen, wo sich sklavisch an überholte und unpassende Mechanismen gehalten wurde, um sie auf die eigenen vermeintlichen Neuerungen zu übertragen. Regimentskampf in Skirmish-Formation wirkt halt sehr konstruiert. Das Festhalten am Treffen-Verwunden-Rüsten-System ist wiederum ebenfalls ein sehr veraltetes Prinzip. Wenn jemand von einer Rakete getroffen wird, muss die Rakete erst einmal verwunden?! Fühlt sich das richtig an?

Die letzte wirkliche Innovation bei den rein fiktionalen Systemen war meiner Meinung nach Freebooter’s Fate. Darüber hinaus ist nicht allzu viel passiert.  Jedenfalls habe ich den Eindruck, dass aktuell die historischen Systeme in Deutschland auf einem vorher nie dagewesenen Vormarsch sind und das kann der ganzen Szene eigentlich nur gut tun. Mich freut es jedenfalls ungemein, häufiger Mitspieler für diesen schönen Bereich unseres Hobbys zu finden.

Und wann beginnst du mit einem historischen System?

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Kommentare

  • Ich spiele beides. Warum historisch? Hmm..ich habe mich seit meiner Kindheit für Geschichte interessiert. Bin in einer Umgebung aufgewachsen, die das begünstigt hat. Viel Burgen und Museen und mit einer Großmutter, die über eine humanistische Bildung und einen scharfen Verstand verfügte und mit von der Zeit des WW2 sowie davor und danach in einer weise erzählen konnte die einzigartig war. Ich fand es schon immer faszinierend wie Menschen früher lebten, was sie taten, und warum sie es taten und wie alles sich entwickelt hat, dass heute heute ist. Und natürlich faszinierten mit die ganzen Konflikte.

    Beim TT sind mir die historischen Spieler lieber. Sie sind reifer, aufgeklärter. Sie lassen Vorsicht und Fingerspitzengefühl walten, weil sie sich durchaus bewusst sind, dass sie ein Delikates Thema berühren. Bei Fantasy und Sci Fi, weil es eben keine moralischen Bedenken gibt (ist ja alles nie passiert also kann man die Sau raus lassen) führt das manchmal zu echten Auswüchsen. Im historischen Bereich pflastert niemand die Base seiner Figuren mit den Leichenteilen der Gegenfraktion. Bei Sci Fi und Fantasy ist das durchaus üblich. Bei historischen Spielen gibt es keine Figuren die einem Pornofilm entsprungen zu sein scheinen, bei Sci Fi und Fantasy Gang und gebe, ich glaube ich finde historische TT und die Spielerdschaft wie sie mit ihnen umgeht anständiger, ja moralischer.
    Hier wird ja die Frage injiziert, was denn in einem Menschen vorgehen mag, wie sein Gedankengut aussehen mag, sein Psyche, der es tatsächlich wagt eine so schreckliche Zeit wie den zweiten Weltkrieg auf seine Spieltisch zu bringen. Ich frage mich, wie das Innenleben eines Menschen aussieht, der Seine Figuren blutverschmiert anmalt, als würden sie im Blut waten, abgeschlagene Köpfe um sie herum streut und die Figur selbst mit Schädeln und anderen Trophäen ausstattet. Die Figur wird dann wohlgemerkt als besonders detailliert angesehen und eine die den Flair gut einfängt.

    Und die Figuren sind um ein vielfaches günstiger.

    • Dieser Beitrag umreisst es trefflich. Ohne mal auf moral einzugehen: ich habe ja auch wie der eine oder andere verschiedene Seiten in mir. Eine ersthafte und eine alberne.

      Im Sci/Fi und Fantasy lasse ich wie Du auch meinst, die Sau raus und gestalte auch gerne mal vor triefende Bases oder designe groteske Orkfahrzeuge…übertriebener Comic halt.

      Und bei HTT würde ich mich aufs wesentliche konzentrieren: Taktik und an Hand der Einheiten etwas über Militärgeschichte lernen. Ich fühle mich durchaus von HTT und entsprechenden Videospielen angestachelt, mehr über historische Waffentechnik (Römer, 2. WK,…) und Gebräuche herausfinden zu wollen.

      Im Endeffekt dienen Spiele allgemein als Ventil und Lustgewinn, aber auch zum Training bestimmter Fertigkeiten (TT -> Taktik, z.B. Monopoly -> wirtschaftliches Haushalten, Schach -> Logik, Memory -> memory 😉 )

    • Auch wenn ich eigentlich nicht über FiktionTT reden wollte…
      Du hast mit Deiner Beschreibung „besonders detailliert angesehen und eine die den Flair gut einfängt“ leider natürlich völlig recht. Ich weiss nicht ob das eine gute Werbung für TTs ist, seufz.

      LG Ralf

  • Erstmal Danke für die zahlreichen Antworten 🙂

    @Angrist:

    „Erstensmal, keiner spielt SS gegen resistance, das ist absoluter quatsch, genauso wie keiner Warschauer Ghetto ausräuchern spielt, bitte sachlich bleiben.“

    Ob sich diese Aussage empirisch überprüfen lässt sei dahingestellt. Eine andere Frage finde ich da viel wichtiger: Warum geht – das schließe ich aus der Aussage – es einerseits in Ordnung Teile der Ardennen-Offensive nachzuspielen, den Kampf ums Warschauer Ghetto aber nicht? Greift im letzteren Fall ein Pietäts-Gefühl, im ersteren aber nicht? Gelitten wurde ja durchaus in beiden Fällen. Wo ist der Unterschied, der das eine offenbar zulässig, dass andere aber unzulässig macht?

    Deine Ausführungen zu den Regeln waren mir schon weiter oben aufgefallen. Ich hatte da schon gesagt, dass ich darin nicht so wirklich ein Argument erkennen kann. „Space Marines vs. Orks“ stand in meinem Beitrag exemplarisch für die Wahl eines fiktiven Settings. Wer mit der GW-Regelpolitik nicht zufrieden ist (ich bin es jedenfalls nicht besonders) hat ja durchaus die Möglichkeit die Regeln der HTTs in fiktiven Settings zu nutzen. Ein echtes Argument für das Spielen in historischen Settings kann ich darin noch nicht erkennen.

    @Lameth: Auf den Punkt mit der Darstellung von Gewalt in fiktiven Settings möchte ich eingehen. Das Zukleistern der Modelle mit Schädeln und Blut ist sicherlich höchst grenzwertig. Umgekehrt frage ich mich aber, warum Tote und Verwundete in HTTs eher nicht dargestellt werden? Gibt es dafür einen besonderen Grund? Pietäts-Gefühl oder ähnliches? Gelitten wurde ja durchaus. Würde dieses Element durch das Darstellen von Toten und Verwundeten auf unangenehme Weise betont werden, was evtl. unter den HTTlern nicht erwünscht ist? Keine Unterstellung, sondern eine ernstgemeinte Frage.

    Allgemein zu dem Punkt Historisch vs. Fiktiv: Wie ich in früheren Beiträgen schon angesprochen hatte, wird in einem historischen Setting ein Ereignis, welches reales menschliches Leid bedeutete, zum Hintergrund eines Spiels. In einem fiktiven Setting ist dieses Leid nie real da gewesen. Während es in einem historischen Setting mehr als fragwürdig erscheinen würde Elemente wie massenhaftes Sterben, Vergewaltigung und Völkermord auszublenden, kann ich dies in einem fiktiven Setting durchaus tun, da ich damit niemandem Unrecht tue sein individuelles Leid zu ignorieren.

    Ansonsten: Danke an alle für die anregende Diskussion 🙂

    • Bin ich nun grenzwertig nach Deiner Aussage zu Schädeln und Blut? Und wenn ja, zu welcher Grenze? Und von welcher Seite ankommen? Also , so limes geht gegen wohin?

      Bitte um Aufklärung.

  • „Warum geht – das schließe ich aus der Aussage – es einerseits in Ordnung Teile der Ardennen-Offensive nachzuspielen, den Kampf ums Warschauer Ghetto aber nicht?“

    Der Unterschied liegt schon im Völkerrecht. In der Ardennenoffensive haben bewaffnete Soldaten gegen bewaffnete Soldaten gekämpft. Beim Warschauer Ghetto wurden schlecht bewaffnete Zivilisten niedergemacht, oft von ganz üblen Verbrechern (Ich sage nur Brigade Dirlewanger). Da besteht doch ein ziemlich klarer qualitativer Unterschied.
    Im Grunde ist das aber eine Frage, die keinerlei Entsprechung in der Spielpraxis hat. Ich kenne niemanden, der Kriegsverbrechen nachspielen würde. Auch die Befreiung von KZs war ja nicht mit großen Kampfhandlungen verbunden. Sowas als Szenario zu thematisieren wäre daher überhaupt nicht Zielführend im Sinne, dass man ja was spielen will. Daher sind diese Bedenken einfach unsinnig. Wer sowas machen will braucht dafür keine historischen Tabletops, sondern ist Idiot genug, dass auf seine Weise umzusetzen oder nachzuspielen.

    „Umgekehrt frage ich mich aber, warum Tote und Verwundete in HTTs eher nicht dargestellt werden?“

    Hast du einen Nachweis für diese Behauptung? Verwundetenmarker und getroffene Soldaten sind Gang und Gäbe im historischen TT. Könnte auch daran liegen, dass die meisten Schlachten in der Geschichte eine deutlich niedrigere Mortalitätsrate hatten, als man annehmen würde. Nur weil keine Leichenberge auf den Spielfeldern liegen heißt das ja noch lange nicht, dass keine verwundeten dargestellt werden. Aktuellstes Beispiel: http://www.sweetwater-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=10886&pageNo=1

    „Während es in einem historischen Setting mehr als fragwürdig erscheinen würde Elemente wie massenhaftes Sterben, Vergewaltigung und Völkermord auszublenden, kann ich dies in einem fiktiven Setting durchaus tun, da ich damit niemandem Unrecht tue sein individuelles Leid zu ignorieren.“

    Du musst diese Elemente ja nicht ausblenden. Aber auf dem Spielfeld werden in der Regel die Kampfhandlungen dargestellt, der Rest geschieht vor und nach dem Spiel in den Köpfen der Spieler.
    Bei einem fiktiven Setting läufst du mit deiner Einstellung aber Gefahr zu verharmlosen. Weil es ja fiktiv ist, ist quasi alles möglich. Statt einer Reflektion von Gewalt ist hier eine Glorifizierung viel einfacher (ich sage nicht, dass das zwangsläufig der Fall ist!). Alles hat eben zwei Seiten.

  • Es gibt viele Gründe, warum sich Leute für historische Tabletops entscheiden. Angrist und lameth haben bereits mehrere genannt. Dazu kommen natürlich auch andere Faktoren:

    Mich persönlich interessieren z.B. sehr die Waffentechnik und die Taktiken der realen Armeen. Warum gaben z.B. die Römer im Laufe der Zeit die Phalanx auf und gingen zum Manipel über? Oder wie war es möglich, dass die Wehrmacht technisch und/oder zahlenmäßig deutlich überlegene alliierte Armeen in Gefechten besiegen konnte?
    Sicher, im SciFi- und Fantasybereich sind viele Armeen auch an historischen Vorbildern orientiert, auf die tatsächliche Spielweise der Armee hat das jedoch nur teilweise Einfluss. Im historischen Bereich sind oftmals die Regeln so gestaltet, dass die Armeen beim „historisch korrekten“ Spielen am besten funktionieren und nicht wenn man immer die neusten Ergänzungen einsetzt.

    Übrigens halte ich HTT als Ausgangspunkt für die persönliche Fortbildung für einen durchaus wichtigen „Nebeneffekt“ des Hobbys. Während meines Studiums habe ich mich z.B. ausgiebig mit dem Prizipat befasst. Dennoch habe ich mich durch den Aufbau meiner frühimperialen Römer weiter in die Materie eingelesen, teils durch Sekundärliteratur, teils durch die Lektüre der Originalquellen. Dabei habe ich für mich neue Erkenntnisse sammeln können – auch in Bereichen jenseits der Militärgeschichte -, die ich wahrscheinlich ansonsten nicht erlangt hätte. Ganz zu schweigen von dem Wissen, dass ich während der Recherche für meine Zweitarmee (Jüdischer Krieg) über die Entwicklungen und Lebensweise im Nahen Osten ansammeln konnte.
    Letztendlich ist die intrensische Motivation für die Beschäftigung mit der Materie noch einmal eine ganz andere als wenn man sich „einfach nur“ für das Thema interessiert. Jedenfalls ist das bei mir und bei etlichen Leuten in meinem Umfeld so.

    „Umgekehrt frage ich mich aber, warum Tote und Verwundete in HTTs eher nicht dargestellt werden?“
    Schau Dich mal bei den historischen Herstellern um. Viele haben Figurensets wie Verwundete, Feldlazarette oder Tote im Sortiment. Sie werden nur von den historischen Spielern nicht so exzessiv eingesetzt wie es teilweise im SciFi-/Fantasybereich der Fall ist.

  • Ganz anderes Thema: Angeregt durch diesen Artikel (und angespornt durch den Sonderrabatt eines Versandhändlers) habe ich gerade das Regelbuch für SAGA bestellt. Bin gespannt.

    • SAGA ist ja bei mir in der Gegend auch schwer angesagt. Ich selber werde aber wohl nicht damit anfangen, da ich eigentlich nicht so auf Wikinger stehe wie viele meiner Altersgenossen (genau so wenig bin ich ein übermäßiger Zombie-Fan) 😀

      • Naja, bei SAGA kann man Wikinger spielen, muss es aber nicht. Das Regelwerk lässt sich wunderbar auch auf die Antike umgestalten mit Römern (schotten-Regeln), Germanen (Wikinger-Regeln), Kelten (Normannen-Regeln ohne Armbrustschützen), Hunnen (Bretonen) und anderen passenden Fraktionen. Genauso gab es in WSS#62 eine Adaption der Regeln für die Kolonialzeit mit Battleboards für afrikanische Ureinwohner und europäische Kolonialtruppen.

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