von BK-Christian | 28.10.2009 | eingestellt unter: Reviews

Review: Shuuro – Schach meets Tabletop

Was passiert, wenn ein echtes Tabletop-Urgestein den Brettspiel-Klassiker schlechthin überarbeitet?
Wer schon immer eine Antwort auf diese Frage gesucht hat, kann sie jetzt finden: Alessio Cavatore, der den meisten Spielern vor allem wegen seiner Tätigkeit für Games Workshop bekannt sein dürfte, hat auf der diesjährigen Spiel in Essen sein neues Brettspiel vorgestellt. Das interessante Spiel hört auf den Namen Shuuro und kombiniert verschiedene Aspekte von Schach und Tabletop zu einem interessanten neuen Spielerlebnis.

shuuro_box

Grundidee und Spielregeln:

Shuuro ist im Grunde eine kreative Weiterentwicklung der klassischen Schach-Regeln, weshalb die beiden Spiele viele Gemeinsamkeiten haben: Ziel ist es, den gegnerischen König matt zu setzen, die Figuren und ihre Zugwege folgen ebenfalls den bekannten Spielregeln.

Der wichtigste Unterschied zum klassischen Schach zeigt sich schon vor Spielbeginn: Während die Figuren und ihre Aufstellung normalerweise genau festgelegt sind, kann bei Shuuro jeder Spieler eine individuelle Armee zusammenstellen und so ganz eigene Strategien entwickeln. Jede Figur besitzt einen Punktwert und eine gewisse Limitierung (z.B. Dame: 110 Punkte, 0 – 3 Figuren), die einzige Ausnahme bildet der König, der keine Punkte kostet und auf jeder Seite genau einmal aufgestellt werden muss.

Bevor die Spieler ihre Figuren auf dem Board platzieren, kommt zunächst eine weitere Besonderheit zum Tragen: Shuuro wird mit Gelände gespielt, das in Form von 8 Plastikwürfeln in der Box beiliegt. Nur Springer können auf oder über diese Würfel bewegt werden, für alle anderen Figuren sind sie unüberwindbar. In jedem Viertel des 12 x 12 Felder großen Spielfelds werden 2 Würfel platziert, deren Position durch zwei sechsseitige Würfel ermittelt wird. Bei der Kleinfeldvariante werden dementsprechend nur 2 Würfel platziert.

Die Aufstellung der Figuren ist nur in Grundzügen festgelegt: Jeder Spieler platziert abwechselnd eine Figur, wobei beide mit dem König beginnen und dann die hintere Reihe ihrer Spielfeldseite mit den Offiziersfiguren auffüllen. Sollte die hintere Reihe voll sein, dürfen die Offiziere auch in der Reihe davor platziert werden. Die Bauern folgen zuletzt, ihre Aufstellung beginnt in Reihe 2, bei Bedarf dürfen sie auch in der dritten Reihe platziert werden.
Einen festgelegten Startspieler gibt es nicht, ein Wurf mit einem W6 entscheidet darüber wer den ersten Zug hat.

Das Material:

Die Box ist sehr prall gefüllt und enthält folgende Dinge:

shuuro_logo

  • 1 Regelheft
  • 1 Spielfeld
  • 1 König (pro Farbe)
  • 3 Damen (pro Farbe)
  • 6 Türme (pro Farbe)
  • 9 Läufer (pro Farbe)
  • 9 Springer (pro Farbe)
  • 18 Bauern (pro Farbe)
  • 8 Geländewürfel
  • 2 Würfel (W6)

Im Gegensatz zu einem konventionellen Schachfeld mit 8 x 8 Feldern umfasst das große Spielfeld für Shuuro 12 x 12 Felder. Wie bei fast allen Brettspielen liegt es zu vier Vierteln zusammengefaltet in der Box, allerdings wartet hier schon die erste Besonderheit auf den Spieler: Wenn es einmal schnell gehen soll und für eine große Partie auf dem vollen Feld keine Zeit ist, enthält Shuuro auch Regeln für kleine Scharmützel auf einem der 6 x 6 Felder großen Spielfeldviertel. Das Brett bleibt dann einfach zusammengefaltet. Auf der Rückseite des großen Spielbretts befindet sich übrigens ein konventionelles 8 x 8 Felder großes Schachbrett, so dass man mit dem Shuuro-Metarial auch ganz problemlos eine normale Partie Schach spielen kann.

Die Spielfiguren bestehen aus rotem und blauem Kunststoff und sind zweckmäßig aber nicht übermäßig hochwertig gestaltet. Dasselbe trifft auf die Geländewürfel zu, die bei einigen Spielern eine Überarbeitung erfahren dürften.

Erste Erfahrungen:

Schon bei unserem ersten Demospiel auf der Messe konnte Shuuro in vielen Bereichen punkten. Das Spiel kombiniert die verschiedenen Aspekte von Schach und Tabletop sehr geschickt und ist für Tabletopper und Schachspieler gleichermaßen interessant. Gegenüber den konventionellen Schachregeln bietet Shuuro einige Vorteile:

  • Die eingefahrene Frühphase des klassischen Spiels wird übersprungen, die eigentliche „Schlacht“ beginnt sehr viel früher.
  • Die Ausgangspositionen des Spiels ändern sich mit jeder Partie, da Gelände und Armeen stetig wechseln.
  • Da der Spieler mit dem ersten Zug zufällig bestimmt wird, entfällt der Vorteil, den der weiße Spieler beim Schach besitzt.

Für zusätzliche Abwechslung sorgen neben den Spielregeln auch die beiden Boardgrößen. Spiele auf dem kleinen Feld sind ausgesprochen schnell, häufig werden schon in den ersten Zügen Figuren geschlagen, so dass die Partien nach wenigen Minuten vorbei sein können. Auf dem Großfeld dauern die Spiele deutlich länger und auch die Strategien unterscheiden sich. Während beispielsweise die Bauern und Springer auf dem Kleinfeld sehr mächtig sind, gewinnen Läufer und Türme auf dem großen Feld enorm an Stärke, da sie große Distanzen überwinden können, während Bauern und Springer deutlich langsamer sind.

Fazit:

Shuuro ist ein echter Geheimtipp geworden, der das bekannte Konzept auf eine völlig neue Stufe hebt und damit auch für Spieler interessant sein dürfte, denen Schach bisher zu eintönig war. Die Mechaniken sind vom ersten Zug an vertraut, aber die Neuerungen erfordern trotzdem auch von erfahrenen Schachspielern eine neue Herangehensweise. Der empfohlene Verkaufspreis liegt mit 45 Euro allerdings etwas hoch, hier sollte man nach Sonderangeboten suchen (auf der Messe wurden die Boxen zum Sonderpreis von 35 Euro verkauft).

Quelle: River Horse Games

BK-Christian

Chefredakteur von Brückenkopf-Online und Tabletop Insider. Seit 2002 im Hobby, erstes Tabletop Warhammer Fantasy (Dunkelelfen). Aktuelle Projekte: Primaris Space Marines, Summoners (alle Fraktionen), Deadzone/Warpath (Asterianer und Enforcer), Kings of War (Basilea und Oger), Dropfleet Commander (PHR).

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Kommentare

  • Die Figuren müssen umgestaltet werden (Magic Stuff^^) und dann gehts los. Mal meinen Laden fragen ob der das hat…

  • @Helle
    Das Spielbrett ist normale Qualität wie bei anderen Brettspielen auch, die Figuren sind halt Plastikschachfiguren mit einem Filzboden. Die Holzkisten bestehen ebenfalls aus Plastik, einen Schönheitspreis gewinnen sie vermutlich nicht.

    Insgesamt würde ich sagen, dass die ganzen Sachen typische Brettspielqualität haben, nichts überragendes, aber auch nicht schlecht.

  • Schickes Ding. Werds mir mal angucken.

    Gibt es eigentlich noch andere Tabletop mit Brettspiel-elementen? Bin zZ auf der Suche nach ein kleines Tabletop – Skirmishspiel – das man auf so einem Grid spielen kann.

  • Pruit :
    Gibt es eigentlich noch andere Tabletop mit Brettspiel-elementen? Bin zZ auf der Suche nach ein kleines Tabletop – Skirmishspiel – das man auf so einem Grid spielen kann.

    HeroClix.

  • was das mit tabletop zu tun haben soll ist mir aber eher unklar.
    ist eine schachvariante. eine gute, wie es aussieht.

  • @hwarang
    Aus dem Tabletop sind die freie Armeezusammenstellung anhand von Punkten, die freie Aufstellung und das „Gelände“ entliehen. Diese Aspekte sind für Tabletopspiele typisch, weshalb der Vergleich imho gerechtfertigt ist. Dass Shuuro kein Tabletop ist, sondern Schach mit Tabletopelementen ist eine andere Geschichte.

  • Die kommen gar nicht durch die Würfel. Ein Bauer, der hinter einem Würfel gefangen ist, kann dort nur noch Defensivaufgaben wahrnehmen, bis er Gelegenheit bekommt, durch das Schlagen einer anderen Figur „die Spur zu wechseln“.

    Das ist so gewollt und man kann höchstens bei der Aufstellung versuchen, die Bauern auf möglichst günstigen Reihen zu positionieren.

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