Tutorial: Malblockade überwinden & motivieren

Wer kennt das nicht, die neueste Anschaffung ist noch in der Post, die letzte Anschaffung noch nicht richtig ausgepackt und auf dem Basteltisch türmen sich noch allerlei unbemaltes Plastik und Zinn. Wie motiviert man sich, da endlich mal einen Fortschritt zu machen? Oder wie überwindet man eine größere Malpause? Zu dieser und anderen Fragen geben wir mögliche Antworten.

  • Umsetzbare Ziele wählen
  • Realisierbare Ziele wählen
  • Abwechslung
  • Belohnungsprinzip
  • Bemalen in der Gruppe

Umsetzbare Ziele wählen
Wer sich selbst vor einem riesigen Berg Miniaturen sieht, zum Beispiel einer größeren Armee oder einem Massevolk, sieht sich schon vor der ersten Miniatur vor einem Schier unbezwingbarem Problem. Die 3.000 Punkte Space Marines Armee von Ebay muss noch entfärbt und neu-bemalt werden, die Metropolis Truppen sind erst entgratet worden und diverse Klein- und Nebenprojekte liegen noch in ihren Boxen. Wo dort also anfangen? Nehmt euch überschaubare Ziele für den Anfang. Eine Streitkraft für ein Skirmish Spiel wie Warmachine, Urban War oder Blood Bowl bildet dort den perfekten Anfang. Man hat ein knappes Dutzend unterschiedlicher Figuren, in der Regel 1-3 Charaktermodelle in die man besondere Detailverliebtheit investieren kann und man sieht vor allem ein vorankommen. Ehe man sich versieht, hat man den Trupp fertig und damit eine bemalte spielfertige Einheit. Damit ist das Erfolgserlebnis da und in der Regel auch die Lust am Malen.

Realisierbare Ziele wählen
Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Manche haben Talent oder Schnelllerner, andere müssen eben mehr Zeit in die Entwicklung ihrer Malfähigkeiten investieren. Informiere dich über dein Projekt, schau dich ein bisschen um, wie andere es umgesetzt haben. Wer kalt ins Hobby kommt, vorher noch nie bemalt hat, sollte für den ersten Moment also sämtliche NMM-Theorien, 2-Farben Grundierung, Blendings und Layering komplett vergessen. Das wichtigste für dich ist in diesem Moment sich mit dem Werkzeug und Farben vertraut zu machen. Das heißt zum einen mit dem Pinsel umgehen können, also wie man am besten den Pinsel führt, greift und in der Hand hält. Zum anderen, verdünnt die Farbe! Aus dem Pott wird in der Regel nicht gemalt, nehmt also irgendwas als Palette her, eine Fliese, ein Teller oder die Blisterplastikblasen sind bestens dafür geeignet. Ein wenig Wasser in die Farbe gemischt und sie lässt sich viel dünner auftragen. Nicht zu stark verdünnen, sonst entstehen Trocknungsränder. Wer es dann schafft, sauber zu malen und damit eine Basis für sich und seine Maltechnik gebildet hat, kann sich mit Experimenten und weiterführenden Techniken befassen. Daher macht euch nicht verrückt, lernt erstmal die Grundlagen bevor man sich an die schwierigeren Sachen macht.
Ebenfalls ist die Pflege des Werkzeugs wichtig, sonst ist der Spaß schnell vorbei. Geknickte Pinselborsten, eingetrocknete Farben und nicht mehr zu reinigendes Werkzeug dämpfen die Malfreude stark.

Abwechslung
200 Goblins mit Speeren auf dem Tisch, 200 Goblins mit Speeren, bemalst einen fertig und stellst ihn weg, 199 Goblins mit Speeren auf dem Tisch, 199 Goblins mit Speeren …
So oder so ähnlich, fühlte sich schon mancher nach dem er einen Großteil seiner Armee bemalt hat. Man kann kein Grün mehr sehen, das Farbschema der eigenen Armee nervt an, weil man keine Lust mehr hat Silberne Helme zu malen oder das viel zu detaillierte Freehand auf den Schilden nach dem 100. Schild einfach nur noch in den Wahnsinn treibt.
Wie also die geistige Gesundheit sichern? Locker dein Bemalverhalten, es gibt sicherlich noch Nebenprojekte die dich interessieren, z.B. die neueste Miniaturenreihe Weltraum Piraten von diesem Hersteller oder die Pulp Ganoven eines anderen Hersteller. Kurz um, mal was anderes als deine Hauptarmee. Vielleicht tauschst du im Club eine Einheit mit einem anderen Spieler oder ergänzt deine Truppen um Alliierte um mal was anderes vor den Pinsel zu bekommen. Es ist wie beim Essen, nur weil man Pizza mag, sollte man sich nicht jeden Tag damit voll stopfen, sonst verliert man den Appetit. Abwechslung sorgt für längere Malmotivation.

Belohnungsprinzip
Stur einen Speerträger oder Marine nach dem anderen Bemalen frustriert. Man wird zwar in der Regel schneller und besser, aber es ist auf die Dauer sehr eintönig. Grundsätzlich ist dieser Lösungsansatz, ähnlich wie die oben angesprochene Belohnung, aber ein wenig anders, da sie innerhalb eines Projektes läuft. 2 Kerneinheiten bemalen und danach ein Charaktermodell, 1 Trupp Kanonenfutter danach ein Fahrzeug. So kann man sich vor allem anfangs etwas Malpraxis an dem 0-8-15 viertes Glied Soldaten erarbeiten und sich langsam an „elitärere“ Einheiten, Charaktermodelle und besondere Helden heranwagen. Man freut sich schon richtig darauf, das man nur noch 5 Figuren von Herakles, dem großen Helden, entfernt ist an dem man sich mit allen möglichen Farb- und Detailspielereien so richtig austoben kann.

Bemalen in der Gruppe
Man schiebt das Bemalen immer so vor sich her. Dieses Wochenende! Ja, dieses Wochenende mach ich was! Letzten Endes war man dann doch im Kino, auf der Piste, beim RPG oder irgendwas anderes ist „dazwischengekommen“. Treff dich mit ein paar Freunden, die werden garantiert auch noch genug unbemaltes daheim haben, zum Malen.
Es ist gesellig, man kann sich während des Malens austauschen und bekommt direkt Feedback zu kleineren Probleme. Passt das Farbschema? Wie bemale ich am besten diese und jene Oberfläche? Ich krieg die Augen nicht hin, die Abschattierung will nicht, womit setze ich ein Highlight auf diese Farbe? Man erhält in der Regel eine Antwort bzw. nimmt sich dem Problem mit mehreren an. Es ist kurzum lustiger und es kann sich keiner drücken, denn zum Malen ist man schließlich zusammengekommen.
Ob man das ganze jetzt Privat mit 3-5 Freunden macht und anschließend eine nette Runde mit den neubemalten Figuren spielt oder einen Bemaltag im lokalen Shop veranstaltet, ist eigentlich egal. Man merkt direkt, dass man Fortschritte macht und der Anteil des unbemalten geringer wird (in sofern man nicht konstant nachkauft!). Bisher war das Feedback der Bemaltage sehr positiv und bei den meisten ist es zu einem regelmäßigen Event geworden, wie Liga-Spiele oder Turniere.

Allgemeines
Wichtig ist nicht nur die eigene Einstellung sondern auch das Umfeld in dem man pinselt. Wer ein Kind oder mehrere jüngere Geschwister hat, sollte sich vielleicht nicht den Kindergeburtstag aussuchen und sich dann samt Miniaturen und Farben in die Küche oder das Wohnzimmer setzen. Wählt einen Zeitraum in dem ihr möglichst für 1-2h eure Ruhe habt und ungestört seid. Setzt euch auch ein einen Raum in dem Möglichst wenigen Ablenkungen sind, also die Lebensgefährtin die neben einem einen Kuchen backt oder ein großes Fenster zur viel befahrenen Straßenkreuzung ist auch suboptimal. Dachboden, Keller, ein Raum mit einer Tür die halbwegs Geräusche draußen hält ist perfekt. Optimal ist auch ein Plätzchen, an dem ihr angefangene Sachen stehen lassen könnt. Ständiges ab- und aufbauen ist nicht förderlich für die Qualität der Malarbeit und des Werkzeugs.

Das nächste ist entsprechend auch das richtige Licht, dort lohnt es auf jeden Fall sich ein paar anständige Lampen bzw. Tageslichtbirnen zu besorgen. Das ist gut investiertes Geld, denn man will auch sehen was man da bemalt und wie die Farbe wirklich aussieht. Grundsätzlich sollte die Malecke gut beleuchtet sein.

Ebenso wichtig ist die Wahl der richtigen Musikalischen Bespielung, dabei ist es zwar egal ob man nun auf den nordischsten Black-Metal oder Westküsten Hip-Hop steht, sucht euch was eher Ruhiges raus. Es bieten sich verschiedene Non-Vocal Filmsoundtracks an oder ruhigere Musik an. Ich höre selbst auch gern härtere Sachen, bevorzuge aber bei Graphiksachen eher auf Ambient und Chill-Out). Macht euch die Musik auch nicht zu laut. Filme sind nicht jedermanns Sache, da ein visueller Reiz besteht ständig von der Miniatur hochzusehen. Dort sollte man, wenn überhaupt, eher zum trashigen B-Movie (Nicht wahr Sir Leon 😉 ) als zum neuesten Thriller / Krimi. Man wird ruhiger, der Puls geht auch runter und man entspannt sich. Dies ist vor allem bei Detailarbeiten sehr von Vorteil, da die Hand weniger zittert.

Für längere Malorgien/-sitzungen sollte man sich auch eine bequeme Position wählen, zwischendurch ein bisschen die Muskulatur dehnen. Der Tisch so hoch wie möglich, der Stuhl so niedrig wie möglich, so dass eine im besten Fall aufrechte Haltung beim Malen entsteht. Manche Maler schwören auch auf Armauf- bzw. unterlagen, wie man sie vom Büroarbeitsplatz her kennt, alternativ geht auch ein mehrfach gefaltetes Handtuch (Man sollte sein Haus sowieso nie ohne Handtuch verlassen, das wusste schon Douglas Adams).

Weitere Tipps & Tricks rund ums Malen, Pinseln und die entsprechenden Techniken findet ihr in den einschlägigen Foren, wie z.B. MaxPaint.

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Über Dennis

SiamTiger / Dennis, Stellvetr. Chefredakteur von Brückenkopf Online. Seit 1996 im Hobby. Erstes Tabletop Blood Bowl. Aktuelle Projekte: http://www.chaosbunker.de/
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